Hochsensibel~Die Prinzessin auf der Erbse

 

Oft werde ich gefragt, was es denn ausmacht hochsensibel zu sein und warum nicht einfach nur sensibel. Da ich (leider) zu den hochsensiblen Menschen zähle, kann ich aus eigener Erfahrung davon berichten.

Es ist eben wie in dem bekannten Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ von Hans Chtistian Andersen. Wäre die Prinzessin nur sensibel gewesen hätte sie die Erbse wahrscheinlich nicht durch die vielen Matratzen gespürt, aber als Hochsensible spürte sie bei jeder Bewegung diese eine Erbse.

Warum suchte denn der Prinz nach so einer Prinzessin?

Hochsensible sind auch hochemphatisch und haben oft die Gabe der Hellsichtigkeit, sie können nicht so verdrängen wie gewöhnliche Menschen und haben eine komplett andere Sichtweise auf die Welt, denn als Hochsensible kann man nicht in dem Maße Massenmedien konsumieren, wie das üblich ist. Hochsensible besitzen ein erweitertes Bewusstsein,  sie besitzen die Fähigkeit ganzheitlich zu denken und zu sehen. Im Volksmund werden diese Menschen meist abfällig als Mimose bezeichnet, aber eigentlich kann man Hochsensible sehr gut mit dieser Pflanze vergleichen. Die Mimose (engl: „Touch me not“) reagiert auf Erschütterung, auf zu schnelles abkühlen, auf zu schnelles erwärmen und auf die Lichtintensität, indem sie ihre Blätter einklappt. Ebenso empfindlich sind hochsensible Menschen. Sie reagieren auf zu viel Licht, auf  unnatürliche Geräusche, auch auf zu viel Kälte und Wärme, auf unnatürliche Düfte, sie haben eine überaus gutes und schnelles Reaktionsvermögen, sie sind sehr intuitiv, weil sie mit ihrer Seele in engem Kontakt stehen, kreativ und ehrlich, weil sie nichts verdrängen können und ihr Gewissen ebenso hochsensibel ist u.v.m. – die Sinne sind um ein vielfaches empfindlicher wie bei anderen Menschen, sie spüren eben die Erbse unter 20 Matratzen.

Seit Elaine N. Aron in den 90iger Jahren das Phänomen der Hochsensibilität beschrieben hat, bekamen die Menschen, die immer schon das Gefühl hatten anders als die Masse zu sein und die immer dachten nicht ganz normal zu sein, nicht in diese Gesellschaft zu passen, einen Namen. Endlich konnte man sein „anders sein“ benennen. Obwohl ich nicht so sehr für das betiteln von menschlichen Eigenschaften bin, muss es manchmal eben doch sein, damit andere verstandesorientierte Menschen begreifen, warum man so „seltsam“ ist. Und trotzdem, auch wenn das Ganze jetzt einen Namen hat, können Menschen die nicht so sind, sich kaum vorstellen wie es ist hochsensibel zu sein.

Hochsensible fühlen alles um ein vielfaches mehr wie sensible Menschen. Es beginnt schon im Kindesalter. Diese Kinder spielen lieber alleine, sie lesen mehr wie andere und sie lassen sich schlecht in Formen pressen. Zwänge jeglicher Art sind für sie ein Gräuel. Wenn sie sich anpassen müssen, werden sie körperlich krank.

Manche meinen Hochsensibilität wäre eine Gabe und das ist es sicherlich auch, aber nicht in einer Gesellschaft in der wir heute leben. Es ist für einen hochsensiblen Menschen eher wie eine Folter, weil man ständig all dem ausgesetzt ist, was man als Hochsensible/r überhaupt nicht haben kann. So wird man dann natürlich auch nicht von Kollegen verstanden, man ist die/der „Seltsame“, man wird sogar deshalb gemobbt. Es wird immer als so romantisch beschrieben hochsensibel zu sein, aber es ist nicht schön, wenn man anderen versucht zu erklären wie man ist und man nur belächelt wird. Die wenigsten Menschen sehen es als eine Gabe. Auch partnerschaftliche Beziehungen scheitern häufig an der Hochsensibilität des einen Parts. Der Partner versteht nicht, warum man denn kein Fernsehen schaut, warum man im Auto das Radio ausmachen soll, wenn man mit einer Prinzessin auf der Erbse Auto fährt, sie verstehen nicht warum man auf den Zigarettenrauch des Nachbarn so heftig reagiert, oder auf den ganz „normalen“ Alltagslärm. Für Hochsensible ist es sehr anstrengend und ermüdend den Gegenüber immer und immer wieder darauf hinzuweisen, dass man hochsensibel ist. Da es der andere einfach vergisst, weil es für ihn nicht normal ist.

Ich würde mal behaupten, dass meine ganzen Beziehungen allein daran gescheitert sind. Entweder können die Partner nicht damit umgehen oder sie versuchen einen zu ändern und zwingen einen zum Beispiel miteinander auszugehen, fern zu sehen u.s.w. Aber Hochsensibilität ist (jedenfalls in meinem Fall) angeboren, es ist mein Merkmal. Das an mir ändern zu wollen, wäre, als würde man meine Hautfarbe nicht akzeptieren und ändern wollen. Es ist den meisten Menschen auch am Anfang einer Beziehung nicht klar, auf was sie sich da einlassen. Ich erkläre seit ich es benennen kann, immer von Anfang an, was mit mir los ist und keiner meiner Partner hat Reißaus genommen. Erst nach einiger Zeit, wenn es zum Bewusstsein meiner Partner kam, fingen sie an, an mir herumzuerziehen. Das ist dann für mich der Zeitpunkt, an dem ich gehen muss. Deshalb begegne ich in den letzten Jahren immer Männern, die weit weg leben und ich sie nur ab und zu mal sehe. Denn dann können sie besser mit meiner Hochsensibilität umgehen und ich muss mich nicht ständig rechtfertigen.

Denn überall muss ich mich immer wieder rechtfertigen, warum ich denn so bin und dass ich eben nicht anders kann. Man hat mir immer wieder gesagt, ich müsse mich gefälligst anpassen, da ich in dieser Gesellschaft lebe, ich müsse funktionieren. Da ich das nicht kann, werde ich immer wieder körperlich krank. Mein Körper reagiert auf alle möglichen Einflüsse, wo Ärzte dann keine Krankheit finden, obwohl eindeutige Symptome vorliegen. Mich zermürbt das, denn ich weiß warum mein Körper reagiert und was ich bräuchte. Da ich aber das, was ich brauche nicht haben kann (so scheint es jedenfalls) und die Ärzte vor allem nichts verstehen (und ich ihnen das mit meiner Hochsensibilität nicht auf die Nase binde, weil sie darüber keine Ahnung haben), werden sie weiter nach einer Krankheit suchen bis sie was gefunden haben. Und da man das Spiel in unserer Gesellschaft mitspielen muss, weil man ja irgendeine Rechtfertigung benötigt, warum man wieder nicht funktioniert, renne ich von einem Arzt zum anderen.

Oft ist es auch so, dass Hochsensible über reagieren, sie etwas tun oder sagen, das nicht gerade als sensibel wahrgenommen wird, weil sie so unsagbar ehrlich sind. Aber das ist meiner Ansicht nach eine natürliche Reaktion, auf all das Geschwätz zum Beispiel was die Hochsensibilität betrifft. Ich schreibe oft sehr unsensibel, weil ich durch mein größeres Bewusstsein mehr erkenne wie andere und es mich manchmal rasend macht, dass die Leute so blind sind. Als Hochsensible bin ich auch nicht gerade mit Geduld gesegnet und deshalb reagiere ich oft ungeduldig. Außerdem bin ich sehr genau und konsequent. Wenn ich ganz genau erkenne, warum etwas so ist wie es ist, dann lebe ich das auch und ziehe das durch. Denn für mich gibt es wenig bis keine Kompromisse. Das scheint manchen als fanatisch zu erscheinen, aber es ist einfach konsequent. So vertrete ich das weibliche Prinzip konsequent und da ich genau weiß, dass es keine Kompromisse zwischen zwei Polen gibt, weil nur beide Pole ein Ganzes ergeben, wenn diese wiederum bei sich selbst auf der Seite bleiben. Gerade das Thema Polarität wird einfach nicht begriffen und ich muss es immer wieder und wieder erklären. Sogar die gebildetsten Menschen scheinen nicht zu wissen, dass unsere Erde ein polarer Planet ist. Alles auf diesem Planeten hat immer zwei Seiten die zusammen eine Einheit bilden. Dieses Wissen ist das Wichtigste überhaupt, um alle Abläufe zu verstehen.

 

Fazit

Hochsensibel zu sein ist also in dieser Gesellschaft etwas, das sich kaum leben lässt. Es wird viel darüber geschrieben und besonders in esoterischen und spirituellen Kreisen, die  daraus einen regelrechten Hype konstruieren. Sie finden es toll hochsensibel zu sein, was sie nicht sind, sonst wüssten sie, dass man damit nur sehr schwer in dieser Gesellschaft leben kann. So wird die Hochsensibilität als etwas Ausgefallenes betrachtet, das sich jene dann auf die Fahnen schreiben, die eben anders sein wollen, die aus der Masse ausbrechen wollen. Das sind rebellische Verhaltensweisen, die man als Jugendliche/r hat, um sich von den Eltern abzuheben, um seine Richtung zu finden. Deshalb muss man ganz genau unterscheiden, ob man sich als hochsensibel betitelt und auch wirklich so ist, oder ob es nur die Rebellion aus der Jugend ist, die man nicht richtig ausgelebt hat. Die meisten die Hochsensibel sind finden das nicht lustig, denn es ist kein Spiel, sondern die blanke Realität die einen da jeden Tag einholt.

Hochsensible sind eben so, wie die von Hans Christian Anders beschriebene Prinzessin auf der Erbse. Aber wo gibt es schon den Prinzen, der so eine Partnerin möchte, außer im Märchen? Wo gibt es eine Umwelt in der man als hochsensibler Mensch leben und arbeiten kann? In diesem System funktioniert das nicht und so muss man sich als Hochsensible/r eine Lücke in der Matrix suchen um aus ihr auszubrechen und das ist ebenso schwer, wie in ihr zu  leben.

*Jutta Velten

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Artwork by Edmund Dulac

 

Die Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal eine Frau

empfindsam wie der Morgentau

Sie war so sensibel  und alles was sie sah

ging ihr zu nah.

So lebte sie ganz einsam,

aber noch lange nicht schweigsam,

denn alles was sie sah und was ging ihr so nah,

darüber schrieb sie Jahr für Jahr.

Eines Tages machte sie sich auf den Weg,

ging über Stein und Steg

in ein fremdes Land, mit Berg und Strand,

und so wurde sie zum Emigrant.

Denn in einem Land,

indem sie kein Verständnis fand,

ist es für Prinzessinnen auf der Erbse schwer

und im Grunde menschenleer.

Sie klopfte an viele Türen,

aber keiner wollte sich rühren.

Sie liesen sie im Regen stehn‘,

deshalb entschloss sie sich fort zu gehn‘.

Durch viele Matratzen konnte sie die Erbse spüren

und sich manchmal vor Schmerz kaum rühren

Das war es, das keiner verstand,

weil so viele in diesem Land,

hart waren wie eine Wand.

Die Erbse hielt sie bewusst und wach

und erst wurde sie davon schwach,

doch dann bekam sie Mut

und alles wurde gut.

Sie fand an anderer Stelle,

eine unerschöpfliche Quelle,

wo Menschen ihre Gabe erkannten,

ihr Gespür schätzten und es benannten

und es für sie nicht seltsam war,

weil sie durch ihr Gespür, alles anders sah.

©Jutta Velten 2015

3 Kommentare zu “Hochsensibel~Die Prinzessin auf der Erbse

  1. Pingback: Die kleine Gruppe der besonderen Menschen… | Wolkenreich

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