Für dich

Die Sonne ging gerade unter als ich etwas durch die Bäume scheinen sah. Neugierig machte ich mich auf den Weg und ging durch den dunklen Wald.
Der Pfad war steinig und es war so finster, so finster dass ich noch nicht mal meine Füße sah. Ich konnte immer nur das Licht in der Ferne sehen.
So stolperte ich vorwärts und plötzlich hörte ich einen so süßen und leisen Klang, der mich zum Weinen brachte. Noch nie zuvor hatte ich solch zarte Stimmen singen hören. Die Melodie war alt, uralt und ich kannte sie, aber es fiel mir nicht ein woher ich sie kannte. Ich setzte mich kurz auf das weiche feuchte Moss, das ich unter meinen Füßen spürte, weil ich so ergriffen war. Meine Augen sahen das warme Licht, meine Ohren hörten die wundervolle, ergreifende Melodie und ich fühlte ein Prickeln in meinem ganzen Körper. Ich wusste, dort wo das Licht ist, kommt auch die Melodie her und dort musste ich hin, ganz egal wie lange es dauern mag und über wieviele Steine und Wurzeln ich stolpern würde.
Die zarten Stimmen, sie riefen mich mit ihrem Lied.
Also stand ich wieder auf, wischte mir die Tränen aus den Augen, fühlte die feuchte Erde unter meinen Füßen und wanderte weiter. Meine Augen auf das Licht gerichtet und meine Ohren konzentrierten sich auf den Klang der Melodie.
Ich stolperte oft, schlug mir die Knie auf, verletzte mich an einer scharfen Wurzel, aber ich lief weiter, immer weiter.
Es kam mir vor als würde ich das Licht niemals erreichen und weinte, weil ich unbedingt dahin gelangen wollte, der Weg aber so unglaublich schwer war. Die zarten Stimmen trösteten mich und ich lief und lief. Nach einer unendlichen Zeit, kam es mir so vor, als wäre ich den Lichtern näher und die Melodie würde lauter werden, außerdem hörte ich Wasser plätschern. „Weiter“, sagte ich zu mir, „gehe weiter“ und plötzlich öffnete sich der Wald und machte einem Fluss Platz der voll von leuchtenden Blumen war. Ich stand da, sah diese Blumen leuchten und hörte die zarten Stimmen, diese Melodie und die Tränen liefen meine Wangen hinab.
Langsam setzte ich mich an das Ufer des Flusses und es war, als wäre ich irgendwo angekommen, das ich schon sehr, sehr lange gesucht hatte. Und nun hörte ich die Worte die die Stimmen sangen.

„Willkommen, nun bist du zu Hause,
komm zur Ruh und halte eine Pause.

Es ist alles gut, hier wirst du Trost finden
und jede Trauer überwinden.

Lass los und lass dich hier nieder,
und stimme ein in unsere Lieder.

Weißt du wo du angekommen bist?
Es ist deine Seele, die du so lange vermisst.

Der Weg war schwer und voller Leid
nun bekommst du ein neues, schöneres Kleid.

Komm‘ zu uns in den Fluss,
und lass dich treiben voll Genuss.

Bleib‘ hier, denn nun hast du sie gefunden
und so vieles überwunden.

Lass nun auch dein Licht scheinen,
für die Großen und die Kleinen.

Singe mit uns die Melodie,
damit auch andere fühlen die Harmonie..“

Ich legte meine Kleider ab und stieg vorsichtig in das Wasser,
zwischen die vielen leuchtenden Blumen.
Es war warm und ich spürte die Wellen, als wären es zarte Hände, die mich berührten.
Ich wurde leicht in den Schlaf gewogen und immer noch sangen sie die Melodie und ich fühlte mich geborgen.
Als ich später erwachte, war etwas mit mir geschehen, ich war jetzt auch eine leuchtende Blume und sang die uralte Melodie, für dich.

©Jutta Velten 2016

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