Rapunzel

 

Da steht sie am Turmfenster
und kämmt ihr langes Haar.
und das schon Jahr um Jahr.

Sie kämmt ihr langes Haar,
und mancher glaubet gar,
dass sie auf etwas wartet, Jahr um Jahr.

Wartet sie auf einen Prinzen
der ihr was verspricht?
Oder auf ein Zeichen,
oder ein helles Licht?

So steht sie Jahr für Jahr
und kämmt ihr langes Haar,
und mancher kommt daher,
mit Seil, Schwert und noch viel mehr.

Den Turm will er erklimmen
und er ist ganz von Sinnen.
Er will zu ihr hinauf
und kommt einfach nicht drauf‘:
Warum sie wohl im Turme ohne Türe sitzt,
es fehlt ihm ein Geistesblitz.

So steht sie da und kämmt ihr Haar,
ein ganzes Heer von Mannen war schon da.
Aber keiner konnte zu ihr gelangen,
auch nicht mit dem allergrößten Verlangen.

Vielleicht kommt einmal einer daher,
der nicht will hinauf gelangen und
fiele es ihm auch noch so schwer.
Einer der die Idee besitzt,
einen anderen Turm zu bauen
als seinen eigenen Sitz.

Der dann aus seinem Fenster schaut
in’s Turmzimmer der geliebten Braut.
Solange bis sie ihn erblickt und winkt,
dann ist er sicher ganz beschwingt.

Auf ihn hat sie gewartet Jahr um Jahr,
kämmend ihr langes Haar.
Auf jenen der die Geduld aufbringt,
und mit sich im Einklang schwingt,
Der ihr auf Augenhöhe begegnet,
ganz egal wie stark es regnet.

Dann haben sie zusammen geflochten
eine Brücke aus ihrem Haar
und so können sie sich nun besuchen
Jahr für Jahr.

©Jutta Velten 2016

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