Jetzt

Eckart Tolle hat ein Buch mit dem Titel „Jetzt-Die Kraft der Gegenwart“ veröffentlicht, indem er beschreibt, welche immense Energie entsteht, wenn man die Fähigkeit besitzt ganz bewusst im Jetzt im Hier zu leben.

Kleine Kinder und indigene Völker leben immer nur im Jetzt. Ein Kind macht sich keine Sorgen, keine Gedanken über die Zukunft oder hängt der Vergangenheit nach, denn wenn das so wäre, dann könnte es niemals Laufen oder Sprechen lernen. Nach jedem erfolglosen Versuch einen Schritt vor den anderen zu gehen oder bei Fehlern durch das Nachsprechen, würde es aufgeben. Das Ego ist maßgeblich daran beteiligt, dass wir uns ständig aus der Gegenwart stehlen und wir uns Sorgen machen, wir Ängste haben, wir nicht loslassen können usw. Das bedeutet nicht, dass wir alles Vergangene vergessen sollen, oder uns keinen Plan machen sollen, sondern dass wir erkennen und uns bewusst darüber sind, dass Vergangenes vergangen ist und die Zukunft immer unsicher ist. Ich kann mir heute den schönsten Plan ausmalen und morgen ganz anders darüber denken, oder erkennen, dass er nicht funktioniert. Auch das Festhalten an der Vergangenheit, ist ziemlich Energieraubend, denn was kann man schon dagegen tun, wenn es vergangen ist?

Das Geheimnis glücklicher Völker, liegt so Daniel Everet (er lebte viele Jahre bei den Pirahã, einem damals noch unkontaktiertem Volk des Amazonas, um deren Sprache zu studieren und sie zu missionieren (was ihm aber nicht gelang)) darin, dass indigene Völker in der Gegenwart leben. Sie besitzen die Fähigkeit das Vergangene loszulassen und sich über das Zukünftige keine Gedanken zu machen. Das Ego spielt bei diesen Menschen nur zum Überleben eine Rolle.  Im Gegensatz dazu, hat sich das Ego in den sogenannten zivilisierten Gesellschaften vervielfacht, da hier das weibliche und das männliche Prinzip nicht mehr im Gleichgewicht sind. Frauen leben in unserer Gesellschaft das männliche Prinzip, welches durch das Ego geprägt ist und so nimmt dieses Ego überhand. Auch werden wir in dieser Gesellschaft  zu Objekten gemacht, das Individuum gibt es hier nicht mehr. Das hängt vor allem daran, dass wir nicht mehr in kleinen Gemeinschaften, Stämmen leben. In kleinen Gemeinschaften (nicht mehr als 100 Menschen) bleibt man ein Individuum. Kleine Gemeinschaften, die nicht von der Industrie und der Wirtschaft abhängig sind, arbeiten zusammen daran, dass sie überleben können. Die „Teamplayer“, die man sich bei uns immer wünscht, gibt es nur bei solchen Völkern und in solchen Gemeinschaften. Auch wenn hier ständig von „Teams“ gesprochen wird, denkt jeder an sich und an seinen Vorteil. Ich muss immer lachen, wenn ich in Einstellungskriterien eines Arbeitgebers lese, dass man teamfähig sein muss. In unserer Gesellschaft werden wir von Kindesbeinen an dazu erzogen so egoistisch wie möglich zu sein. Man liegt immer im Wettstreit in der Konkurrenz zu anderen. Der Konkurrenzkampf ist mit ein Inhalt des männlichen Prinzips. Das weibliche Prinzip ist das „Teamplayer-Prinzip“, wenn man so will. Frauen die ihr Prinzip leben und indigenen Völkern ist bewusst, dass es nur gemeinsam geht, dass man alle an einem Strang ziehen muss, damit etwas funktioniert und das lässt sich nun mal nur in kleinen Gemeinschaften, deren gemeinsames Streben nach Harmonie und dem Überleben geht, verwirklichen.

Das Glück dieser Völker liegt also zum einen darin, dass sie sich als Individuen erkennen, dass sie ein gemeinsames tägliches Ziel haben, dass sie nur im Jetzt leben und hier jedes Geschlecht sein Prinzip leben kann. Sie glauben nicht an etwas Vergangenes und deshalb konnte sie Everet auch nicht zum christlichen Glauben bekehren. Sie glauben nur an das was sie sehen, wobei das dann ja kein Glaube ist. Sie leben in der Realität und nicht in Illusionen. Diese Menschen benötigen auch keine Therapie, weil sie das was einmal war nicht für ihr Gefühl von heute verantwortlich machen. Wenn sie etwas Schlimmes in der Vergangenheit erlebt haben, dann haken sie das ab, lassen es los, denn es ist vergangen und gehen weiter. Sie verdrängen es nicht und so entsteht dann auch kaum ein Trauma. Da wir bei uns aber unsere Traumata verdrängen und sie in uns brodeln, können wir sie nicht loslassen. Das Verrückte bei uns ist, dass wir unsere Traumata versuchen ein ganzes Leben zu unterdrücken und dazu müssen wir Suchtmittel benutzen, anstatt sie uns ins Bewusstsein zu holen und sie loszulassen.  Das ist der Grund, warum wir Therapien brauchen und sie nicht.

Gibt es einen Konflikt bei solchen Völkern, sprechen sie sofort darüber und suchen eine Lösung, die für alle Beteiligten gut ist. Wir sind feige und stellen uns meist nicht den Konflikten, sondern tragen sie meist Jahre mit uns herum und unterdrücken sie, bis sich manche von ihnen eines Tages unkontrolliert Bahn brechen und es zum Beispiel zu Gewalt kommt. Auch sind wir Meister darin, anderen die Verantwortung für unsere Fehler in die Schuhe zu schiebe und auch das will verdrängt werden, solange bis unser Gewissen all die Last nicht mehr tragen kann. Wenn wir einmal einen Streit mit unserer Mutter hatten und wir können ihn nicht loslassen, tragen wir ihn womöglich unser komplettes Leben mit uns herum. Damals hatten wir versäumt uns zu entschuldigen, bzw zu verzeihen und das lässt uns nicht los. Nun können wir es ewig und immer mit uns herumschleppen und es unterdrücken, das belastet uns aber nur noch mehr. Also können wir jetzt den Streit aus dem Weg räumen und uns erleichtern oder wir können ihn einfach vergessen, denn es ist eh vorbei. Die Beichte bei den Katholiken, soll diese Gewissenserleichterung darstellen, wobei der Glaube und irgendwelche Gebete nicht helfen, da Glaube eine Illusion ist und nicht der Wahrheit entspricht und gegen die Gegenwart arbeitet, es ist nur eine Erleichterung für das Ego! Die Realität ist jetzt und sie war in der Vergangenheit auch real, aber jetzt sieht sie anders aus. Wenn man Schuld auf sich geladen hat, kann man denjenigen Menschen um Vergebung bitten und dann loslassen. Am besten man tut es immer sofort, damit man ein reines Gewissen hat. Das Karma, das aus der indischen Lehre stammt, versuchen wir zu unterdrücken und wundern uns dann irgendwann, wenn es uns einholt. Das kann in diesem Leben sein oder erst im nächsten, aber es holt uns ein, da können wir noch so lange versuchen einen Deckel draufzuhalten.

Im Jetzt zu leben, die Fähigkeit zu besitzen loszulassen was war, ist der Weg zum glücklich sein. Wenn ich heute noch einen Groll gegen jenen Menschen hege, der mich als Kind missbraucht hat, hilft das keinem Menschen, im Gegenteil, es vergiftet mich selbst. Die meisten Menschen sind ziemlich selbstzerstörerisch unterwegs, auch jene die kein Borderline Syndrom haben.  Eigentlich könnte man unsere Gesellschaft die „Borderline-Gesellschaft“ nennen, denn neben der Zerstörung unserer Umwelt, zerstören sich die meisten im gleichen Zug selbst und das nur wegen der Vergangenheit.

Die Angst und die Sorge um die Zukunft ist auch jetzt in diesem Augenblick nicht von Bedeutung.  Ich habe in meinem Leben gelernt, heute das zu leben, das ich mir für die Zukunft wünsche. Ich habe auch Pläne, aber ich versteife mich nicht darauf, denn ich weiß, dass nichts sicher ist.  Deshalb ist eine Eheschließung so verrückt, denn man verspricht sich hier immer zusammenzubleiben. Jedes Versprechen stellt sich aber irgendwann als Lüge heraus, denn Versprechen sind immer in die Zukunft gedacht. Sobald mir jemand etwas versprechen will, distanziere ich mich von diesem Menschen.Versprechungen sind Lügenmärchen und das sollte man jedem sagen, der einen Satz mit.“ Ich verspreche dir…“ beginnt. Es ist richtig schlimm, dass wir unsere Kinder auffordern das zu tun oder wir ihnen selbst etwas versprechen. Dieses Wort gehört wahrlich aus unserem Wortschatz verbannt.

Alle Ängste und Sorgen entspringen dem Gedanken an die Zukunft, dabei kann ich doch jetzt überhaupt nichts tun, um diese Ängste und Sorgen zu verhindern. Entweder sie kommen oder auch nicht und hier kann ich auch aus Erfahrung sprechen, je mehr wir uns vor Ängsten und Sorgen schützen wollen, desto eher werden sie eintreffen. Wenn ich mir Sorgen um meine zukünftige Gesundheit mache, dann kann ich mich jetzt informieren, was ich tun kann und meinen Körper so lange wie möglich gesund zu halten und so eine Chance zu haben eines natürlichen Todes ohne Qualen und Leid zu sterben. Das Paradoxe ist ja, dass es uns heute egal ist, wie wir leben und man hört dann solche Alibi-Sätze wie:  „Wir müssen alle sterben“, uns dann aber gleichzeitig Sorgen über den Tod machen und Angst haben. Wenn man sich das Verhalten der Mehrheit in unserer Gesellschaft einmal ansieht könnte man sich totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Die Verrücktheit unter den nicht indigenen Völkern sucht wahrhaftig seinesgleichen und das wahrscheinlich in dem gesamten Kosmos. Die Erde wird von einer Mehrheit Verrückter bewohnt, die sich auch noch für nicht verrückt halten, das ist das Gefährlichste an der Sache. Manchmal überlege ich, was indigene Völker, die uns beobachten könnten, zu unserem Verhalten sagen würden. Keiner würde mit uns in Kontakt treten wollen und es gibt wirklich ein Volk das im indischen Ozean lebt, das alle Eindringlinge auf der Stelle tötet, was ich wahrhaftig verstehen kann. So etwas nennt man Selbstschutz nur leider haben das viel zu wenige indigene Völker getan oder tun es.  Ihre Neugier hat ihnen nur Leid gebracht.

Exkurs zur Neugier:  Die Neugier scheint ein natürliches Phänomen aller sich bewegenden Lebewesen zu sein und hier steckt die Gier im Wort. Es ist die Gier neues zu erforschen, was leider meist tödlich endet. Hätte die Maus nicht so eine Gier auf den Käse in der Falle, wären unsere Mausefallen überflüssig.  Hätte der Mensch nicht die Gier immer wieder Neues zu erkunden und zu erfinden, wäre Amerika nicht von Europäern besetzt worden und es gäbe wahrscheinlich auch keine Bomben und natürlich auch keine Computer. Neugier ist ein Gegenwartsphänomen und tarnt sich erst einmal als etwas Gutes, was sich in der Zukunft meist nicht als gut herausstellt.  Natürlich lernen wir durch Neugier andere Menschen kennen und das gehört zum sozialen Wesen des Menschen und ist gut, aber meist missbrauchen wir die Neugier, denn die anfängliche Neugier wird irgendwann zur Gier und man beutet andere aus.  Damit die Neugier nicht destruktiv wird, braucht sie Vertrauen und jene die das Vertrauen nicht brechen.  Leider sieht es aber so aus, dass das Vertrauen immer und immer wieder gebrochen wird und deshalb sollten wir uns jetzt auch vor der Neugier in Acht nehmen.

Das Leben in der Gegenwart enthält wirklich, wie ich anfangs schon beschrieb sehr viel Energie. Wie schön ist es doch sich nicht um die Zukunft zu sorgen und die Vergangenheit loszulassen. Aber ich höre jetzt, die Einwände von jenen, die für eine „saubere Umwelt“,  eine „friedliche Welt“ usw kämpfen, die sagen dass wir nur aus der Vergangenheit lernen und wenn wir uns der Vergangenheit nicht stellen, auch unsere Zukunft Scheiße wird. Warum wiederholt sich dann seit tausenden von Jahren immer und immer weider das gleiche Spiel? Wie es aussieht, lernt der Mensch nicht aus seiner Vergangenheit  und wenn er für eine saubere und friedliche Umwelt demonstriert, aber in der Gegenwart das nicht umgesetzt bekommt was er sich wünscht, wie kann das dann in der Zukunft stattfinden? Nochmal, lebe in der Gegenwart so, wie du es dir für die Zukunft vorstellst und lasse die Vergangenheit los, die können wir nicht mehr ändern und es hilft uns auch nicht sie uns immer und immer wieder hervorzukramen, denn genau das wiederholt sich dann in der Zukunft. Ständig werden uns die Naziverbrechen vor Augen gehalten und so haben wir dafür gesorgt, dass es diese Leute immer noch gibt. Wenn wir uns keine AKW’s mehr für unsere Zukunft wünschen, dann müssen wir heute einen Stromanbieter suchen, der Strom aus AKW’s nicht mehr bezieht.  Wenn wir uns über die Gier der Wirtschaft und der Politiker aufregen, dann müssen wir jetzt selbst aufhören gierig zu sein usw.

Jeder einzelne Mensch ist dafür verantwortlich wie die Zukunft aussieht. Gebete und Meditationen nützen nichts, wenn wir es für die Zukunft tun. Wenn sich nun jetzt alle zusammenschließen und jetzt in diesem Augenblick friedlich sind und das jeden Tag im Jetzt praktizieren, gibt es keine Gewalt mehr und das auch nicht in Zukunft. Wenn wir jetzt nicht mehr die Wirtschaft unterstützen, indem wir jetzt beim Bio Bauer um die Ecke einkaufen und das jeden Tag im Jetzt praktizieren wird das auch in Zukunft so sein.

In unserer Gesellschaft werden wir so konditioniert, dass wir nie in der Gegenwart sind, sondern immer schon in der Zukunft oder an Vergangenem festhalten, das macht uns zu unglücklichen Menschen. Lernen wir doch von jenen, die noch oder wieder wissen, wie es geht in der Gegenwart zu leben!

 

Hier noch ein Rätsel zum Thema aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende

Drei Brüder wohnen in einem Haus,
die sehen wahrhaftig verschieden aus,
doch willst du sie unterscheiden,
gleicht jeder den anderen beiden.

Der Erste ist nicht da, er kommt erst nach Haus.
Der Zweite ist nicht da, er ging schon hinaus.
Nur der Dritte ist da, der Kleinste der drei,
denn ohne ihn gäb’s nicht die anderen zwei.
Und doch gibt’s den Dritten, um den es sich handelt,
nur weil sich der Erst‘ in den Zweiten verwandelt.
Denn willst du ihn anschauen, so siehst du nur wieder
immer einen der anderen Brüder!

Nun sage mir: Sind die drei vielleicht einer?
Oder sind es nur zwei? Oder ist es gar – keiner?
Und kannst du, mein Kind, ihre Namen mir nennen,
so wirst du drei mächtige Herrscher erkennen.
Sie regieren gemeinsam ein großes Reich –
und sind es auch selbst! Darin sind sie gleich.

Ich empfehle jedem von euch das Buch „Momo“ von Michael Ende, wenigstens einmal im Jahr zu lesen, um sich immer wieder bewusst zu machen, dass Zeit und das nicht Leben in der Gegenwart uns unglücklich machen.

*Jutta Velten

jetzt

 

 

 

 

 

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