Das Symptom einer unmenschlichen Pflege

Bevor ich mit dem Tagebuch über die Arbeit in der Pflege starte, möchte ich hier noch etwas ganz allgemeines über die Pflege, oder vielmehr über die Aufbewahrunsanstalten für Senioren und Kinder schreiben und darüber, wohin es führt, wenn man Kinder fremd erziehen lässt. Wie immer mit der holistischen Sichtweise, bei der alle meine Beobachtungen und Erfahrungen sich gegenseitig bedingen.

Da ich leider noch nicht die Mittel habe auszusteigen, um mich selbst zu versorgen,  bin ich gezwungen arbeiten zu gehen. Arbeit ist nichts Schlechtes, wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe. Jedes Lebewesen arbeitet, um überleben zu können. Die Frage ist nur, wie und was ich arbeite? Auch wenn viele im Netz schreiben, man sollte doch das machen was einem Freude bereitet, ist das oft nicht so einfach.  Erst mal muss man eine Menge investieren und hier nicht nur Geld sondern auch Zeit um das tun zu können, was einem Freude macht.   Bei mir ist das so. Ich habe seit meinem Schulabschluss schon immer in der Pflege gearbeitet, das kann ich und der Beruf würde mir auch Freude bereiten, wenn man ihn so ausüben könnte, wie er ursprünglich gedacht war. Aber in diesem Beruf geht es wie überall in einer Wirtschaftsdiktatur nur um Profit. Aber nicht dass etwa die Hilfsbedürftigen profitieren würden – nein – hier profitieren alleine die Großkonzerne und natürlich jene skrupellosen Leute, die hinter den Konzernen an den Fäden ziehen. Allen voran die Pharmaindustrie, die ihre Finger überall im Spiel hat.

Der Beruf der Krankenschwester des Krankenpflegers  ist zu einem Beruf geworden, bei dem Schwestern (ich benutze den alten Ausdruck) und Pfleger, die Aufgabe haben, pflegebedürftige zu pflegen (hier ist aber nur die äußerliche Pflege gemeint und keineswegs die seelische)  und die Anordnungen des Arztes zu befolgen, der  für die Pharmaindustrie als Verkäufer fungiert.  So sind die Pflegebedürftigen tadellos gepflegt und voll mit Medikamenten (die nicht gesund machen) damit der Kranke nicht zu schnell gesund wird oder zu schnell stirbt. Schließlich will man ja noch etwas von dem Menschen haben, bevor er ins Gras beißt.

Wirklich empathische Schwestern und Pfleger, gibt es kaum, denn man kann nicht in diesem medizinischen System arbeiten und gleichzeitig empathisch sein. Wenn man dann auch noch hochsensibel und bewusst ist und muss gerade da arbeiten, weil man eben nichts anderes gelernt hat, wird man unweigerlich krank. Deshalb arbeiten in der Pflege vermehrt Menschen, die in Systemen aufgewachsen sind, in denen sie schon in früher Kindheit fremdbetreut wurden.  Ich bitte euch an dieser Stelle zur Kenntnis zu nehmen, dass ich hier meine über 25 jährige Erfahrung in der Pflege und was mir auffällt schreibe. Es hat nichts damit zu tun, dass ich Menschen von anderen Ländern schlecht machen, oder sie gar alle in die gleiche Schublade stecken möchte.  Ich mache immer wieder die traurige Erfahrung, dass Menschen aus der ehemaligen DDR, aus Polen, Tschechien und Russland, die zu uns kommen bzw, die eigentlich zu uns gehören und in der Pflege arbeiten, keine Empathiefähigkeit besitzen, sie ihren Job machen und das am besten ganz perfekt tun wollen. Ihnen ist es wichtig, dass die Pflegebedürftigen sauber und satt sind, die Seele spielt hier noch weniger eine Rolle, wie sie bei uns Deutschen eh schon der Fall ist.  Wenn man sich die Systeme anschaut, woher diese Menschen stammen, ist es kein Wunder, dass diese Menschen nicht fähig sind Empathie zu empfinden.

Wer im Sozialismus aufgewachsen ist, wurde von frühester Kindheit an fremd betreut. Diese Menschen haben keine Mutterwärme erfahren, sie wurden alleine mit ihrem Verlustschmerz gelassen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als abzustumpfen. Kinder die ohne die Nähe und Zuneigung der Mutter aufwachsen, werden entweder zu menschlichen Robotern oder sie sterben. Schon Friedrich der II. machte die Erfahrung, dass Kinder sterben, wenn man sie ignoriert. Sie wurden sauber gehalten und man gab ihnen Nahrung, aber man sprach nicht mit ihnen, man verwehrte ihnen Zuneigung und Liebkosungen und die Nähe der Mütter oder einer Bezugsperson und so starben sie. Kinder die fremdbetreut und erzogen werden, haben keine liebende Bezugsperson, weil das überhaupt nicht möglich ist.  Die Ammen hingegen waren früher die „Ersatzmütter“ und die Bezugsperson der fremden Kinder, die sie stillten. Die Kinder hatten eine innige Beziehung zu ihren Ammen, die Mütter waren für sie fremd. Kinder die überhaupt keine Bezugsperson haben, sind verloren! Es ist ähnlich, wie im Versuch Friedrichs des II., da sie aber Ansprache bekommen und vlt ab und zu ein bisschen Zuneigung, sterben die meisten nicht, sondern sie verkümmern emotional. Diese Kinder werden zu Erwachsenen, die nichts fühlen, oder ihre Gefühle so verdrängen, dass sie wie seelenlose Wesen funktionieren.  Das System der Marktwirtschaft, ist da ähnlich aufgebaut wie der Sozialismus, nur hier konnten die Frauen meist noch wählen, ob sie bei ihren Kindern bleiben oder sie fremdbetreuen lassen. Aber auch das wird immer mehr unterbunden. Heute haben Mütter kaum mehr die Möglichkeit ihre Kinder großzuziehen, weil alles immer teurer wird und wir in diesem Geldsystem gefangen sind.  Wir müssen uns also nicht wundern, dass unsere Gesellschaft von Empathielosigkeit und Abgestumpftheit nur so strotzt. Leider arbeiten ausgerechnet diese Menschen in der Pflege. Warum kann man sich da fragen? Es liegt, wie ich oben schon beschrieben habe daran, dass es in diesem Pflegesystem nicht um den Menschen geht, sondern darum wie man den Menschen bestmöglichst ausbeuten kann. So werden die Pflegekräfte ausgebeutet, indem man an die Nächstenliebe appelliert (besonders die kirchlichen Einrichtungen tun das gerne) und diese beuten dann die zu Pflegenden aus, indem sie sie versorgen und ihnen die Medikamente verabreicht, um sie noch lange in der Schwebe zu halten – nicht gesund und auch nicht richtig krank, nicht tot und auch nicht richtig lebendig – eben so, dass die Pharmaindustrie an jedem einzelnen verdient.  Im Übrigen brauchen kranke Menschen mehr als alles andere Zuneigung und Nähe. Das ist die Hauptmedizin, um die Selbstheilungskräfte eines Menschen zu mobilisieren. Wir aber leben in einer berührungslosen, unnahbaren Gesellschaft, in der fast jeder nur egoistisch handelt und so werden die Krankheiten auch immer zahlreicher. Die Pflegebedürftigen sind top gepflegt, die Heime sind sauber, aber die zu Pflegenden leiden. „Außen hui und innen pfui!“ So wie es in unserer Gesellschaft aussieht und sich jede Familie gibt. Immer schön den Schein wahren, niemals den Teppich heben, denn der Gestank darunter könnte manche dann doch aufwecken. Das ist das Motto unserer kranken Gesellschaft. Es soll immer alles gut aussehen, alles muss blitzsauber sein und während jeder darauf bedacht ist, alles zum Schein sauber zu halten, schreien ihre Seelen und sie verkümmern am angesammelten inneren Müll!

Jeder von uns wünscht sich (hoffentlich) dass seine Eltern, Großeltern und Kinder, wenn sie krank sind, liebevoll umsorgt werden. Das was früher die Mütter und Frauen taten, tun jetzt fremde Menschen, die keinen Bezug zu den Kranken haben. Und wenn diese Pflegepersonen, dann auch nicht die Fähigkeit der Empathie besitzen, werden die Kranken wie bei dem Versuch Friedrichs des II. nur versorgt. Man hat ja auch gar keine Zeit, um den Menschen zuzuhören. Zeit ist Geld! Und das eben auch in der Pflege. Deshalb bleibt der Wunsch nach einer liebevollen Umsorgung von Kranken, eine Illusion. Die Realität, in diesem System hat keinen Platz für Empathie. Man kann sich das noch so schön reden und die meisten, die ihre Eltern in ein Heim bringen und ihre Kinder fremd betreuen lassen, rechtfertigen sich und reden alles schön, um ihr Gewissen zu erleichtern. Aber es gibt nur eine liebevolle Pflege und Betreuung und das ist die von jenen Menschen, die eine Bindung zueinander haben. Nun werden einige einwerfen, dass in vielen Familien keine Bindung geschweige denn Liebe vorhanden ist und ja, das ist in sehr vielen Familien der Fall. Das hängt damit zusammen, dass man heutzutage beziehungsabhängig und co-abhängig ist und deshalb nicht fähig wirklich zu lieben.  Fast jeder stellt an die Menschen, die er angeblich liebt Bedingungen. Deshalb existiert keine Liebe. Das Gefühl, das die meisten als Liebe bezeichnen, ist schlicht und einfach Sucht/Abhängigkeit. Deshalb fällt es uns auch nicht schwer, Menschen die wir angeblich lieben in die Obhut fremder Menschen zu geben. Seien es unsere Eltern, Großeltern oder Kinder. Es ist immer das gleiche – hier fehlt Liebe. Das System in dem wir leben, hat es geschafft, uns zu Menschen zu machen, die nur noch funktionieren und denen Geld wichtiger ist, als der Mensch! Die Leute, die heute ihre Eltern zuhause behalten, wenn sie alt sind, ist aber meist auch nicht aus Liebe, sondern sie können es sich leisten oder sie sehen die Möglichkeit so noch mehr Geld zu bekommen oder wollen sich als Gutmenschen präsentieren oder alles zusammen.  Es gibt sehr wenige, die wirklich lieben können und das dann auch aus Liebe tun.

Wir müssen uns also nicht wundern, dass Menschen, die wir angeblich lieben, so mies in den Heimen und Tagesstätten behandelt werden.  Wer hier wirklich noch glaubt, dass das Personal in der Lage wäre liebevoll mit den ihnen anvertrauten Menschen umgehen zu können, der lebt in einer Illusion.

Michael Ende hat in seinem Buch „Momo“ unser System wundervoll beschrieben, aber leider ist die Lektion dahinter nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Und wie immer, ist das Ungleichgewicht zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip Schuld, an dem Dilemma.  Denn würden Frauen ihr Prinzip leben und ihre Grundrechte zurückfordern zu denen auch der Beruf der Pflegerin gehört, würde es anders um die zu Pflegenden stehen! Die Selbstlosigkeit, ist ein Baustein des weiblichen Prinzips und diese ist es, die wir in der Pflege brauchen. Also eigentlich das, was die Nonnen und die Diakonissen taten und tun. Aber wir benötigen keine Religion dazu, sondern es ist einfach nur das weibliche Prinzip das wir leben müssen.

 

*Jutta Velten

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