Überlebenstraining

Bei einer Survival Tour treffen fünf Männer und eine Frau zusammen. Sie wollen lernen wie man in der Natur überleben kann und ihre Grenzen kennenlernen. Es ist eine harte Zeit und interessant ist, dass die Frau ganz instinktiv die weibliche „Rolle“ übernimmt. Sie sorgt für das Essen, dafür dass sich alle wohlfühlen und für den Zusammenhalt der Gruppe. Die Männer, sogar wenn sie im „normalen“ Leben im Büro sitzen oder gar Hausmann spielen, übernehmen ganz automatisch Arbeiten, die schwer sind. Er baut ein Haus, holt Holz, geht jagen, erkundet die Gegend usw.

Hier kann man nun sehr schön sehen, dass wir in der Wildnis instinktiv diese Aufgaben übernehmen, für die uns die Natur vorgesehen hat. In diesem natürlichen Zustand spielt die Emanzipation überhaupt keine Rolle mehr, da keiner darüber nachdenkt, ob Frau jetzt die Aufgaben des Mannes übernehmen sollte und umgekehrt.  Jede Art hat bestimmte Aufgaben mitbekommen, gegen die der heutige Mensch ankämpft, weil es angeblich zur Zivilisation, zum Fortschritt gehört. Draußen in der Natur, spielt Fortschritt keine Rolle, denn hier braucht man seine ganze Energie, um überleben zu können. In der zivilisierten Welt verschwenden vor allem wir Frauen unsere Energie damit, dass wir uns verbiegen, um wie Männer zu funktionieren, weil wir glauben es wäre normal und würde von uns erwartet.  Da wir unsere Natur verdrängen und wir seit Generationen eine Gehirnwäsche erhalten haben, dass Frau unbedingt wie ein Mann funktionieren muss, tun wir das auch und verteidigen diesen unnatürlichen Zustand vehement. Fast jede Frau meint wirklich, es wäre normal, egoistisch zu sein, seine Kinder abzugeben, sich nicht mehr um die Familie zu kümmern oder sie zu vernachlässigen usw. Die breite Masse der heutigen Frauen, von Akademikerinnen, Frauen der Öffentlichkeit bis hin zu der Arbeiterin, sind komplett davon überzeugt, dass es richtig so ist, wie sie leben. Kaum eine stellt das in Frage und wenn da mal eine kommt die leise etwas sagt, dann wird sie mundtot gemacht. Jede Frau, davon bin ich überzeugt, weiß in ihrem tiefsten Innern, dass sie falsch lebt und dass sie etwas verändern könnte. Aber Frau hat sich so bequem in der fremden Art eingerichtet, dass Frau diese Bequemlichkeit nicht verändern möchte.

Eigentlich sollten wir alle Survival Touren machen, um zu erfahren, wo wir in der Natur stehen. Denn fast jeder hat das vergessen! Außerdem erfährt man, dass es eine Illusion ist zu glauben, man könne die Natur bezwingen. Bei so einer Tour lernt man, dass der Mensch niemals die Natur bezwingen kann und wie klein und hilflos wir oft sind.

Ich habe als 14 Jährige so eine Survival Tour gemacht, nur war es nicht bewusst ein Überlebenstraining, sondern ich bin damals von zu Hause weggelaufen und habe mich zuerst 600km alleine durchgeschlagen, danach zusammen mit einem Freund weitere ca 600km. Wir hatten beide kein Geld und waren illegal campen und mussten uns Nahrung auf Feldern beschaffen. Schon das war sehr anstrengend, denn ständig musste man auf der Hut vor der Polizei sein. Sogar hier, ich noch ein Kind, teilten wir unsere Arbeiten ganz instinktiv auf. Ich sorgte dafür, dass wir es warm und kuschelig hatten, wie weit das eben durch die äußeren Umstände machbar war und dass wir uns waschen konnten usw. und er sorgte dafür Nahrung zu beschaffen und unser Zelt aufzubauen.   Wir hatten nur ein Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, ein paar Klamotten, Trinkflaschen, Rucksäcke und Streichhölzer zum Feuer machen, wobei letzteres erst in Dänemark ohne Ärger ging. Einmal machten wir noch in Deutschland Feuer in einem kleinen Wald (wir trafen alle Vorkehrungen, um ein Ausbreiten des Feuers zu unterbinden)und schon kam ein Forstarbeiter und machte uns Beine. Manchmal liefen wir bis in die Nacht und mussten unser Zelt im Dunkeln aufbauen und so bauten wir eines Nachts unser Zelt auf einen riesigen Ameisenhügel. Man kann sich vorstellen, wie ich am Morgen herumhüpfte, um die ganzen Ameisen loszuwerden. In Dänemark blieben wir eine Weile auf einer Insel und ich musste damals Einheimische fragen, ob wir bei ihnen duschen und Wäsche waschen könnten, da ich unterwegs ziemlich stark meine Periode bekommen hatte. Zum Glück fanden wir super nette Menschen. Da mein Freund schon über 18 war, hatte keiner Verdacht geschöpft, dass ich durchgebrannt sein könnte. Abends saßen wir oft in den Dünen und mein Freund spielte auf seiner irischen Flöte (er war Ire)   Für mich war diese Tour eine wichtige Erfahrung in meinem Leben, auch wenn manche sie nicht als Überlebenstraining bezeichnen würden, war es ein Überlebenstraining, da wir jeden Tag sehen mussten, woher wir Nahrung bekommen und wo wir schlafen könnten. Vielleicht war das damals auch der Initiationsritus, den ich eigentlich tief in mir, in meinen „Urgenen“ erwartet hatte und ihn mir selbst erfüllen musste.

Jetzt nach 34 Jahren habe ich oft das Bedürfnis allein, oder auch zu zweit eine wilde Gegend zu durchwandern, um mit und von der Natur zu leben. In Deutschland lässt sich das kaum machen, da hier ja alles verboten ist. Aber bevor ich mich irgendwo in der Abgeschiedenheit niederlasse, um dort alt zu werden, möchte ich unbedingt nochmal los. Ich finde es äußerst wichtig, dass wir Menschen immer wieder Grenzerfahrungen machen, aus unserer Komfortzone kommen und uns wieder mit der Natur zu verbinden.

*Jutta Velten

 

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..das ist die Insel auf der wir eine Zeit lang waren

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