Zivilcourage und Solidarität

Fast jeder würde von sich behaupten, dass er Zivilcourage zeigt und sich mit anderen solidarisiert. Leider sind das nur hohle Worte, die kaum einer umsetzt wenn es darauf ankommt.

Ich habe das in meinem Leben schon sehr oft zu spüren bekommen. Meist waren es Kollegen, die den Mund weit aufrissen, wenn der Arbeitgeber nichts hören kann, aber wenn ich sie dann bat, mich zur Leitung zu begleiten, um genau das worüber sie sich beschwert haben vorzubringen, waren sie feige und traten zurück. Bis jetzt stand ich immer alleine da, wenn es darum ging sich zur Wehr zu setzten und Ungerechtigkeiten an der richtigen Stelle zu äußern.

Sogar schon in meiner Kindheit gab es keine Mutter oder Vater, die/der hinter mir stand und mich unterstützt hätte. Im Gegenteil, sie unterstützen immer die Gegenseite, was damals vor allem die Lehrer waren. Bis heute habe ich nur von einem Menschen Solidarität oder Zivilcourage erfahren und es ist sehr schwer zu verstehen, wie meine Mitmenschen solche Heuchler sein können! Ich stelle mich schon mein Leben lang immer hinter jene, die keine Lobby haben und ich würde mich jederzeit vor einen Menschen stellen, der ungerecht behandelt wird. Leider scheine ich zu den Ausnahmen zu zählen.

Warum nur ist das so?

Ich dachte immer Zivilcourage und Solidarität zeichnen den Menschen aus, aber es ist so, dass eher ein Hund dich verteidigt, als ein Mensch.  Ich musste in meinem Leben schmerzlich erfahren. dass die Welt voll von Egoisten ist, die eine große Klappe haben, aber sich niemals die Hände für jemand anderen schmutzig machen würden.  Es gibt sogar Menschen in meinem Leben, die mir hundertmal dafür dankten, was ich für sie getan habe und die sagten, sie wären für mich da, wenn ich sie brauche, wenn es aber dann soweit ist, glänzen sie durch ihre Abwesenheit.

Es mag sich bitter anhören, was ich hier schreibe und ja, mehr und mehr macht es mich traurig, dass meine Mitmenschen so gleichgültig sind. Hauptsache jeder hat seine Schäfchen im Trockenen und braucht sich um sonst nichts zu kümmern.

Natürlich weiß ich, dass es die Dualität ist, das falsche Weltbild, welches ein jeder lebt und das Trennung verursacht, so dass sich kaum einer daran erinnert, dass wir alle in einer Einheit leben. Gerade ich erfahre das sehr bewusst und kann es auch nicht verdrängen. Die meisten Menschen verdrängen es und finden sich damit ab, dass sie meist alleine da stehen.  Ich kann mich damit nicht abfinden, weil man es nämlich durchaus auch anders erleben kann, aktuelles Beispiel ist Frankreich. Hier halten die Menschen gerade zusammen und sie lassen sich auch nicht in rechte und linke Lager drängen, sondern sie kämpfen gemeinsam für Gerechtigkeit. In Deutschland lassen sich die Menschen spalten und bekämpfen sich gegenseitig und verraten sich auch gegenseitig. Das hatten wir alles schon einmal, nämlich als Menschen ihre meist weiblichen Mitmenschen denunzierten. In einem Bericht über Island und seine Geschichte, habe ich gerade gelesen, dass auf Island keiner Frauen angeschwärzt wurden und dass nur ein oder zwei Männer den Flammen zum Opfer fielen. Auch in Irland gab es keine Hexenverfolgung. Aber dafür in Deutschland umso mehr.  Ist es die deutsche Mentalität, die unglaublich egoistisch ist? Ist hier bei uns das männliche Prinzip stärker am Wirken als anderswo? Schon im dritten Reich konnte man ebenso erleben, dass es nur sehr wenige Menschen gab, die Zivilcourage besessen haben und bereit waren selbst in den Tod zu gehen, um anderen damit ihr Leben zu retten.  Die Masse buckelte und denunzierte sogar andere. Auch in der ehemaligen DDR gab es mehr als genug solcher Menschen, die andere verrieten, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

Es ist natürlich auch mein Muster das ich von zu Hause mitbringe, dass ich vor allem Egoisten in mein Leben ziehe und vielleicht ist es auch die Erwartung an meine Mitmenschen solidarisch zu sein, weil ich es bin.

Wer von meinen Lesern erklärt sich denn bereit, seinen Weihnachtskonsum einzustellen und damit ein Zeichen an die Machthaber zu setzen?  Wer erklärt sich bereit, das zuviel das man hat, mit anderen zu teilen, wie ich es vor einigen Tagen geschrieben habe? Jeder muss das mit seinem eigenen Gewissen ausmachen, denn er muss sich tagtäglich im Spiegel betrachten. Leider können sich auch jene Menschen noch immer im Spiegel anschauen, obwohl ihr Gewissen das eigentlich  nicht kann, aber sogar vor sich selbst setzten die meisten Masken auf und belügen sich selbst.

Ich will damit nicht sagen, dass ich keine Fehler habe und dass ich alles richtig mache, aber zumindest was Solidarität und Zivilcourage angeht halte ich an dem fest,  was ich sage. Auch mache ich keine Weihnachtseinkäufe und würde jeden der an meine Tür klopft einlassen und ihm etwas abzugeben. Ist es nicht seltsam, dass gerade jene, die sich als Christen bezeichnen, niemand einlassen?

Ich wünsche mir, dass jeder einmal über das Gelesene nachdenkt und sich vielleicht das eine oder andere zu Herzen nimmt, um die Welt ein bischen wärmer zu machen!

Einen schönen 2. Advent.

©Jutta Velten

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