Die Einsiedlerin

Zu einer Einsiedlerin kamen Besucher und fragten: „Welchen Sinn hat das Leben in der Einsamkeit?“

Die Einsiedlerin schöpfte gerade Wasser aus einem Brunnen. Sie bat die Fremden, einen Blick in die Tiefe zu werfen. „Was seht ihr?“ fragte sie „Wir sehen nichts,“antworteten die Besucher.

Nach einer Weile wiederholte die Einsiedlerin, ihre Bitte. Die Fremden blickten abermals in die Tiefe. „Jetzt sehen wir uns selbst“, sagten sie, unsere Gesichter spiegeln sich im Wasser.

Die Einsiedlerin sagte:“Weil ich vorhin Wasser geschöpft hatte, war Unruhe in dem Brunnen. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille. Man sieht sich selbst!“

Sich selber sehen, so wie man ist, das geht nicht in einem von Hektik bestimmten Alltag, dazu benötigt man den Rückzug, die Distanz, die einem das Zu-sich-Kommen ermöglicht.

*Leider weiß ich nicht, wer dieses Gleichnis geschrieben hat und in der Fassung die ich gehört habe, geht es um einen Einsiedler. Da aber immer Männer für solche Bewusstseinsprozesse herangezogen werden und es in Wahrheit die Frauen sind, die tiefgreifende Bewusstseinsprozesse durchleben und da sehr viele der sogenannten Hexen zur Zeit der Hexenverfolgung, Einsiedlerinnen waren und auch ich so lebe, habe ich statt dem Einsiedler, die Einsiedlerin gewählt. *Jutta Velten


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