Meine Neujahrserkenntnis

Ich habe das alte Jahr mit einer tiefen Sinnkrise beendet und starte in das neue Jahr mit neuer Hoffnung. Manchmal kommt mir diese Hoffnung in dieser Welt völlig abhanden, wo doch alles was ich mir Wünsche nur ein würdevolles, menschliches Leben ist.

Über die Würde habe ich in „Gedanken zur Würde des Menschen“ am 29.12.2018 schon etwas geschrieben und möchte darauf nicht weiter eingehen und jetzt über Krisen schreiben und welche Möglichkeiten in ihnen stecken.

Schon lange weiß ich darüber Bescheid und doch begegnen mir Lebenskrisen mein Leben lang immer wieder, mal stark und mal weniger heftig. Ich kenne also Krisen nur zu gut und ich arbeite mich bis heute immer wieder aus ihnen heraus. Auch wenn es manchmal so scheint, als würde ich in den Sümpfen der Traurigkeit versinken, schaffe ich es in letzter Minute doch wieder, mich aus dem Morast zu befreien, bevor er mich verschlingt. Obwohl ich wirklich Krisen erprobt bin, ist es doch so, dass ich immer wieder am Sinn dieser Krisen zweifle. Ich kenne die ganze Theorie von wegen, „ein tiefes, dunkles Tal muss durchwandert werden, um danach wieder auf einen Berg mit Weitsicht zu gelangen, wo man wieder froh sein kann“, oder „Krisen zeigen einem, was man bearbeiten muss“, etc.

All das weiß ich und ich kann auch die Richtigkeit dieser Theorien zum Teil bestätigen, da ich auch diese erfahren durfte (wenn auch immer viel zu kurz) aber das Muster welches diese Krisen auslöst, konnte ich noch nicht beseitigen und gerate deshalb immer wieder in das Tal der Tränen. Diese Muster, die man aus der Kindheit mit sich herumschleppt sind so dermaßen zäh, dass es im Grunde immer die gleichen Krisen sind, in die man gelangt. Natürlich wiederholen die sich, damit man endlich die Auflösung findet, aber was ist, wenn es gar keine Auflösung gibt?

So oft spüre ich ganz genau, was ich tun müsste, werde aber durch äußere Einflüsse daran gehindert. Sind es wirklich äußere Einflüsse? Auch mit dieser Frage habe ich mich schon oft beschäftigt und einmal meine ich, dass ich die Antwort kenne, die aber ein anderes Mal, wieder überhaupt nicht zutrifft. Natürlich ziehen wir die äußeren Einflüsse, nach unseren Kindheitsprogrammierungen an und besonders Menschen, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden und denen Gewalt angetan wurde, begegnen diesem Gespenst im Erwachsenenalter auf die verschiedensten Weisen immer und immer wieder. Aber es gibt auch durchaus Phasen im Leben, wo man glaubt, dass sich die Gespenster aus der Kindheit verzogen haben und man sich schon freut und anderen freudig darüber berichtet, um im nächsten Augenblick wieder von so einem Gespenst geküsst zu werden.

Es scheint als würde ich nichts aus den Krisen lernen, die meist sehr schmerzvolle Lektionen sind, um danach wieder festzustellen, dass es nur wieder die zweihundertste gleiche Lektion war. Wahrscheinlich habe ich auch schon vieles aus Krisen glernt, aber diese Lektionen sind eher solche, die mich mehr und mehr von meinen Mitmenschen trennen. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn natürlich ist die Lehre die ich aus den Lektionen mitnehme an meine Muster gebunden. Sagt mir eine Lektion zum Beispiel, dass ich vertrauen soll, dann vertraue ich, werde aber von meinen Mitmenschen getäuscht, was zur Folge hat, dass ich eher meiner Katze vertraue als nochmal einem Menschen. Was war hier also die Lektion? So ist es eigentlich auch kein Wunder, wenn man immer und immer wieder in tiefe Löcher fällt.

Da fällt mir die Geschichte mit dem Mann ein der immer und immer wieder in das selbe Loch fällt, weil er immer und immer wieder die selbe Straße benutzt, bis er endlich eine andere Straße wählt. Aber kann nicht auch in dieser Straße wieder so ein Loch auf ihn warten, das dann nicht das selbe Loch ist, aber das gleiche, ganz einfach deshalb weil er dieses „Loch-Muster“ in sich hat?

Also könnte man jetzt sagen, dann ist das Leben ja doch sinnlos, denn was macht es für einen Sinn, wenn ich zwar eine andere Straße wähle in der Hoffnung, dass es dort kein Loch gibt, ich aber dieser Hoffnung spätestens dann beraubt werde, wenn ich wieder in eines gefallen bin? Was ist dann also dieser verdammte Sinn des Lebens? Man sagt auch, man kann in fremde Länder reisen, man nimmt aber immer seine Probleme/Muster mit, was durchaus stimmt, aber trotzdem versuchen doch viele Menschen, Hoffnung in anderen Ländern zu finden, vielleicht weil es dort nur Löcher in de Straßen gibt und man dadurch einfach lernt, sie zu umgehen?

Ich habe viele Bücher von vielen sogenannten weisen Meistern (seltsamerweise sind das meist Männer) gelesen, die aber auch nicht die Lösung kennen und die im Gegensatz zur landläufigen Meinung auch nicht weise sind, denn sie verstehen noch nicht einmal, das Ganzheitsprinzip und vertreten das duale Weltbild. Vielleicht gibt es einfach keine Auflösung der Kindheitsmuster, vielleicht deshalb, weil wir kollektiv ein falsches Weltbild leben, das Trennung verursacht, anstatt Einheit und Ganzheit? Wie wäre es denn, eine Krise unter dem Aspekt dieser Einheit zu betrachten? In dieser Einheit gibt es immer zwei Gegensätze, die ineinander greifen, ohne das eine würde es das andere nicht geben. Das Wort Krise stammt aus dem Griechischen und bedeutet in der Verbform „trennen“, „scheiden“. Also ist die Krise alleine schon Trennung und ihr Gegenteil somit Ganzheit. Wenn man die Krise aus dem Lateinischen ableitet, dann bedeutet es soviel wie „zugespitzt“ und wird insbesondere im medinzinischen Sinne verwendet. Wenn man die medizinische Krise überlebt, dann konnte man dem Tod nochmal von der Schippe springen. Hier ist das Gegenteil von Krise der Erfolg. Nach dem dualen Weltbild ist also die Krise etwas das trennt und man versucht diese Trennung zu überwinden. Im polaren Weltbild erzeugt die Krise Trennung,die aber wenn beide im Gleichgewicht sind, durch die Ganzheit aufgehoben wird.

Wenn ich nun in einer Lebenskrise stecke, dann fühle ich mich getrennt von der Ganzheit, weil man es mich so gelehrt hat, ich bin also vom Lebensfluss, dem Energiefluss abgeschnitten. Sobald ich aber erkenne, dass es die Krise ohne die Ganzheit und es die Ganzheit nicht ohne Krise gibt, beide sich also energetisch im Gleichgewicht befinden müssen, um einen unblockierten Energiefluss zu gewährleisten, kann ich mich um ein Gleichgewicht zwischen den beiden bemühen. In meinem Fall kommt es zu dieser Lebenskrise und so zu einer Energieblockade, weil meine Kindheitsmuster sich wiederholen. Wenn ich mir nun ansehe, was das Gegenteil von einem Muster ist und ich Muster als eine Form begreife, dann ist das Formlose des Gegenteil. Beide im Gleichgewicht und als Einheit betrachtet, ist es ein neutraler Zustand. Wenn ich nun meine Muster, meine Form auflösen möchte, dann muss ich also das Formlose leben, um hier wieder ins Gleichgewicht zu kommen, denn das Muster aus der Kindheit ist zu stark. Wie lebt man nun das Formlose? Indem man etwas tut, das formlos ist, also etwas das man noch nie gaten hat und aus der Form/Norm ausbricht.

Und nun sind wir wieder an dem Punkt, wo andere sagen, wenn du zum Beispiel in ein anderes Land gehst, dann niummst du deine Muster mit, aber ein anderes Land wäre zum Beispiel formlos, da nicht planbar bzw. wenn man es ungeplant tut. Ich komme nun zum Schluß, dass man seine Muster überall mit hin nimmt, aber sie sich nur dann in einem anderen Land/einer anderen Umgebung nicht auflösen, wenn man dort dann das gleiche tut wie hier. Anhand von dem Bedürfnis nach Sicherheit lässt sich das gut erklären: Wenn ich jetzt in ein anderes Land gehe und dort eine Wohung habe, einen Job wie hier, um die Illusion der Sicherheit aufrechtzuerhalten und eben alles so mache wie hier, wird mein Muster sich immer wieder wiederholen. Ich gehe dann drei Schritte vor und vier zurück. Wenn ich nun aber im Ausland etwas tue, das völlig unsicher ist und ich diese Unsicherheit aushalte, dann so denke ich, lösen sich die alten Muster auf.

Ich hatte das ja schon einmal fast geschafft, als ich damals nach Zypern auswanderte. Ich hätte damals nicht zurückkommen sollen, sondern hätte versuchen sollen, mich vorort durchzuschlagen. Die schlechte Erfahrung, die ich dort machte, kam einem Schock gleich, da ich wie ein Kind, in dieses Abenteuer stolperte und durch die Erfahrung schnell wieder in die Arme meiner Mama laufen wollte. Ich bin überzeugt, hätte ich mich dort durchgebissen, wäre ich in meiner Entwicklung nicht wieder vier Schritte zurückgegangen. Deshalb werde ich es in diesem Jahr neu versuchen. Natürlich habe ich Schiss, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das austreten aus dem bekannten Muster in das Formlose, in die Unsicherheit, ein sehr großeses Potenzial zu einem enormen Entwicklungssprung für mich beinhaltet. Als ich dann an die Nordsee zog, habe ich auch weiter meine alten Muster gelebt, aber das Leben lässt mich auch hier ziemlich schmrezlich erfahren, dass es so nicht weitergeht, dass ich nur aus den alten Mustern rauskomme, wenn ich jetzt wieder alles verkaufe und losmaschiere.

Ich schaue mir sehr oft auf YouTube Reiesberichte von jungen Leuten an und spüre dann immer, dass ich genau das tun muss. Aber man muss nicht unbedingt reisen, sondern es reicht in ein anderes Land zu gehen und dort etwas zu tun, was man noch nie zuvor getan hat.

Ich bin sehr dankbar für diese Erkenntnis. Ich erhalte immer dann solche tiefgreifenden Erkenntnisse, wenn ich kurz davor bin aufzugeben. Diese Erkenntnisse sind meine Lebensretter, sie sind die Äste die sich mir im Sumpf zuneigen, damit ich mich rausziehen kann.

Im Wald, zwei Wege boten sich mir dar, ich ging den der weniger betreten war. Dies veränderte mein Leben. * Robert Frost

©Jutta Velten


4 Kommentare

  1. Liebe Jutta, ich freue mich sehr über diesen Beitrag von dir. Alles Gute für dein Vorhaben! Liebe Grüße Tanja

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  2. Sehr geehrte Frau Velten,
    für Ihr Projekt wünsche ich Ihnen alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg!

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