„Die Schmerzvermeidungsgesellschaft“

Warum tun sich viele so schwer etwas zu verändern, nicht nur bei sich selbst sondern auch außerhalb? Veränderung bedeutet Schmerz und da wir in unserer Gesellschaft früh lernen Schmerzen zu unterdrücken und sie zu vermeiden und es jede Menge Mittelchen gibt, mit denen man Schmerz unterdrücken kann, verändert sich nichts.

Es bedarf sehr viel Kraft und Mut sich seinem eigenen Schmerz zu widmen und ihn anzuerkennen, ebenso gilt dies für den kollektiven Schmerz. Wir sind alle seit vielen Generationen unserer Urbedürfnisse beraubt worden und deshalb leiden wir so und suchen immer jemanden/etwas der unseren Schmerz lindert. Denn nicht immer kann er vollständig unterdrückt werden. Vor allem begegnen einem immer Menschen, die die unterdrückten Anteile und Muster wiederspiegeln, weil wir sie permanent in unserer Außenwelt projizieren. Da wir schon seit so vielen Generationen diesen Schmerz mit uns tragen und ihn auch noch an unsere Kinder und Kindeskinder weitergeben, potenziert sich irgendwann dieser eigene Schmerz und der des Kollektivs. Heute ist unsere Gesellschaft voll von Schmerzen, der eigene Schmerz kollidiert mit dem kollektiven Schmerz und so ist es kaum ein Wunder, dass gerade auch in Deutschland, wo sich zu dem Schmerz noch die Schuld der zwei Weltkriege manifestiert, die Menschen in verschiedenster Weise darauf reagieren.

Die einen haben resigniert und wollen nur ihre Ruhe haben, die Nächsten sind damit beschäftigt Geld zu machen um sich etwas kaufen zu können, das den Schmerz betäubt, andere betäuben sich mit Illusionen an einen Glauben, an Engel, an Gurus etc., wieder andere erkennen zwar, dass sie selbst bei sich ihren Schmerz heilen müssen, aber richten ihren Fokus dann nur noch auf sich, weil sie nicht begreifen dass es in ihnen so aussieht wie außen und ungekehrt und dass immer beides geheilt werden will. Es hat keinen Zweck gegen das Natugesetz :“ Innen wie außen so oben wie unten“ anzugehen, denn ein Naturgesetz bleibt bestehen, auch wenn wir das nicht akzeptieren und respektieren wollen.

Durch die Schmerzvermeidung entstanden und entstehen alle Arten von Süchten, da man irgendwie den Schnerz unten halten muss/will. Unsere Gesellschaft ist voll von Suchtkranken und die Süchtigen werden immer jünger. Wir können nur heilen, wenn wir alles in unsere Heilung einbeziehen, wir nicht mehr trennen, wie das uns durch das duale Weltblid eingetrichtert wurde, sondern begreifen dass alles zusammenhängt.

Um den Schmerz zulassen zu können, benötigt man Zeit und eine Rückzugsmöglichkeit ohne Ablenkung. Nur dann kann der Schmerz gefühlt und zugelassen werden. Schon an diesem Punkt scheitern die meisten, da sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen/wollen. Sie müssen funktionieren. Nicht jeder hat den Mut, sich krankschreiben zu lassen und sich mit seinem inneren Schmerz zu beschäftigen. Zuerst kommt die Innenschau und dann muss man nach außen schauen und die Zusammenhänge begreifen. Dafür braucht man einige Jahre. Leider ist dazu kaum jemand bereit. Nicht umsonst sind die Eremiten und Eremitinnen der Vergangenheit als weise angesehen worden. Die Weisheit und das ganzheitliche Bewusstsein, kommt automatisch, wenn man sich mit dem Schmerz beschäftigt. Je mehr man sich ablenken lässt, desto länger kann der Heilungsprozess dauern. Aber auch bei minimaler Ablenkung dauert dieser lange, darauf muss man sich einstellen. Heilung geschieht in Etappen und wenn man dabei auch noch erkennt, dass alles zusammenhängt, kollidiert man dann auch zwangsweise mit dem System. Was auch wieder sehr viel Kraft kostet, denn man kann dann nicht mehr so weiter machen wie zuvor. Entweder lebt man dann weiterhin zurückgezogen und versucht sich so wenig wie möglich an dieses System anzupassen, oder man kehrt zurück und lässt sich wieder in die Formen pressen, wird dann aber schnell wieder unterdrücken müssen. Im Grunde kann man es nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn man wieder in Formen gepresst wird. Man benötigt viel Phantasie und Kreativität, um in diesem System leben zu können, wenn man sich dem Schmerz stellt. Aber es gibt immer Nieschen, wo man auch, wenn man anders lebt als die Masse überleben kann.

Ich kann davon ein Lied singen. Da ich fast kaum mehr etwas was in meiner Umwelt geschieht noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, bin ich nur noch am „Hürden laufen“. Es wird einem sehr schwer gemacht und natürlich bin ich auch nach nun schon 10 Jahren innerer und äußerer Arbeit immer noch Schmerzbehaftet, nur kann ich ihn nicht mehr unterdrücken. Damit können meine Mitmenschen sehr schlecht umgehen, denn ich weine sehr viel und bin nicht mehr bereit das zu unterdrücken. Die Hochsensibilität bewirkt eben auch, dass ich nicht nur meinen Schmerz so stark fühle, sondern auch den des Kollektivs und das ist sehr schlimm. Trotzdem kann ich nur jedem Mut machen, diesen Prozess zu durchlaufen, da es für unsere Nachkommen wichtig ist.

Es ist nicht nur wichtig unseren Nachkommen eine intakte Umwelt zu hinterlassen, sondern auch eine intakte kollektive Psyche!

©Jutta Velten



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