Falschheit, Scheinheiligkeit

Vielleicht ist es nur meine Empfindung und Erfahrung, aber mir fällt auf, dass es immer mehr falsche und scheinheilige Menschen gibt und vielleicht ist das auch nur wieder mein Empfinden und meine alleinige Erfahrung, aber besonders unter Frauen scheint mir die Falschheit und Scheinheiligkeit rasant zuzunehmen. Ich frage mich dann, warum das so ist und wieder, wie bei den meisten negativen Auffälligkeiten der Frauen von heute, erkenne ich einen Zusammenhang am nicht gelebten weiblichen Prinzip.

Frauen sind natürlicherweise selbstlos, die Scheinheiligkeit und die Falschheit entsteht meiner Meinung nach deshalb, weil die männliche Rolle, die sie sich angeeignet haben, indem sie nicht nachfragen, was eine Frau ausmacht und was überhaupt eine Frau ist. Der Mann lebt sein Ego offen aus und ist deshalb weniger bis gar nicht scheinheilig (außer er lebt mehr seine weiblichen Anteile, als seine männlichen), eine Frau aber fühlt die Selbstlosigkeit tief in sich, aber diese lässt sich nicht mit unserer heutigen Gesellschaft vereinbaren, wo man egoistisch sein muss, wenn man es zu etwas bringen möchte. So sind Frauen zwiegespalten und die ursprüngliche Selbstlosigkeit paart sich mit dem unbeschreiblichen riesen Ego, welches wir uns selbst und die Gesellschaft übergestülpt haben. Einerseits erwartet die Gesellschaft von Frauen, dass sie liebevoll und hilfsbereit sind und andererseits sollen sie ebenso egoistisch wie Männer sein, so sind Frauen einem ständigen Spagat zwischen den beiden Gegensätzen ausgesetzt und deshalb entstehen Widerspruchsformen, wie zum Beispiel die des „selbstlosen Egoisten“. Der „selbstlose Egoist“ bzw. die „selbstlose Egoistin“, ist gespalten und spielt je nach dem was gerade benötigt wird Rollen, die entweder ihrem Ego dienen oder dem Bild das gesellschaftlich erwartet wird.

Zum Beispiel gibt sie vor jemandem helfen zu wollen, aber gleichzeitig lässt sie nach einigen Stunden oder Tagen, dem Hilfsbedürftigen ihr Ego spüren, indem sie diesen Menschen nicht in seinem Sosein respektiert. Sie bietet diesem Menschen Hilfe an, obwohl sie das überhaupt nicht will, weil sie sich zum Beispiel einschränken müsste. Wenn man sie darauf anspricht leugnet sie das natürlich (ihr Ego) und gibt weiter vor liebevoll und hilfsbereit zu sein. Wahre Selbstlosigkeit ist bedingungslose Liebe und kein Helfersyndrom und auch kein Handel nach dem Motte: „Wenn ich dir etwas Gutes tue, dann tust du das auch für mich.“ Die meisten Frauen tun so als ob, um das was sie an guter Tat tun, irgendwann wieder zurückzubekommen. Sie geben Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft vor, knüpfen aber insgeheim Bedingungen daran.

Das fällt mir immer dann besonders auf, wenn ich selbst Hilfe benötige und sogar in der eigenen Familie diese Hilfe an nicht ausgesprochene Bedingungen geknüpft wird. Ich kann diese Falschheit und Scheinheiligkeit spüren und erkenne sie an den verschiedenen Verhaltensweisen. Wenn man nicht nach den Vorstellungen dieser Menschen funktioniert, sind sie zum einen mit der Situation überfordert und zum anderen kämpft ihr Ego gegen die Selbstlosigkeit ihres Prinzips an, was dann zu schizophrenen Verhaltensweisen führt. Sie spielen die Rolle der liebevollen, bedingugslos liebenden Frau und verstecken ihren egoistischen Schatten hinter einer „Madonnen-Maske“. In unserer Gesellschaft sind Frauen entweder Heilige, Huren oder böse Hexen, sie werden schon als kleine Mädchen in diese Rollen und die des männlichen Prinzips gedrängt, so dass sie nicht mehr ihre wahre Identität kennen. Also werden die verschiedenen Masken zu den unterschiedlichen Situationen hervorgekramt und aufgesetzt. Hinter der liebevollen, hilfsbereiten Maske, steckt die böse und egoistische Rolle, des männlichen Prinzips. Hinter der heiligen Maske steckt die Hure usw. Natürlich gibt es immer einen Gegenpol in jedem Menschen, aber eine Frau muss ihr Prinzip leben und der Mann seines und da beide zusammen eine Einheit bilden, vereinen sich so das weibliche und männliche Prinzip, da sie dann im Gleichgewicht sind. Wenn Frauen nun ihre männlichen Anteile leben, dann sind diese Anteile nicht ihrem Geschlecht spezifisch und sie handeln schizophren und Männer die ihre weiblichen Anteile leben, leben gegen ihr Geschlecht und handeln ebenso schizophren. In beiden Fällen werden Rollen gespielt, die nicht ihrem Geschlecht entsprechen und das lässt den Menscen verrückt werden. Die psychischen Krankheiten nehmen von Generation zu Generation zu. In der Vergangenheit kam immer wieder mal ein Krieg dazwischen und die psychischen Krankheiten danach, wurden am vorhergehenden Krieg festgemacht (wobei das natürlich noch ein zusätzlicher Grund dieser steigenden psychischen Krankheiten war), aber nun haben wir in Deutschland seit über 70 Jahren keinen Krieg mehr und die psychischen Krankheiten nehmen mehr und mehr zu, was ich dem individuellen und dem kollektiven Leben der Frauen außerhalb des weiblichen Prinzips zuschreibe.

Die meisten Menschen/Frauen sind so daran gewöhnt Rollen zu spielen und sich zu jeder Situation die passenden Masken aufzusetzen, dass sie überhaupt nicht mehr erkennen, was sie da tun. Sie empfinden es als „normal“ und würden selten bis nie ihr eigenes Verhalten hinterfragen. Die liebevolle Frau, glaubt wirklich selbst, dass sie das ist, denn wenn sie es erkennen würde, müsste sie es zugeben und sie würde sich vor Scham nicht mehr ansehen können. Ihr dressiertes Ego, würde sich niemals die Blöße geben. Das Ego ist ein Meister im Verkleiden und es zieht gerne das Mäntelchen des selbstlosen, bedingungslos liebenden Menschen an. Bei einem Mann der egoistisch ist, wird das gesellschaftlich akzeptiert, aber eine egoistische Frau wird gesellschaftlich nicht anerkannt, obwohl man es Frauen von Kindheit an beibringt. Unsere Gesellschaft ist seit vielen Generationen tief gespalten und komplett krank, deshalb bemerken auch sehr wenige Menschen, die Scheinheiligkeit, die uns umgibt. Hochsensible und kleine Kinder spüren aber sehr genau, diese Schizophrenie der Einzelnen und der Gesellschaft und wenn sie dies anprechen bzw. sich dagegen zur Wehr setzten, stellt man sie ruhig oder erklärt sie für nicht „normal“. Natürlich sind sie nicht „normal“ weil sie nicht der Norm entsprechen, aber die Kranken sind die Masse der Gesellschaft, jene, die ihre Seele gegen ihr Ego eingetauscht haben.

Ein Mensch der wirklich in Not ist und Hilfe benötigt und diese Hilfe die man ihm zukommen lässt, nicht wahrlich selbstlos ist, zerbricht dann auch noch an dieser Hilfe. Glaubensrichtungen aller Art schreiben sich diese Selbstlosigkeit auf ihre Fahnen und versuchen sie umzusetzen, was oft auch gelingt. Jedenfalls ich, als nicht Gläubige und konfessionslose empfinde das gerade so. Wenn man als Frau nun aber erkennt, dass diese Selbstlosigkeit, die von den Religionen gepredigt und auch umgesetzt wird, aus dem weiblichen Ursprung kommt und man auch in den Religionen, die Schizophrenie in deren Ursprung sieht, begreift, dass sie zur Selbstlosigkeit keine Religion braucht.

Selbstlosigkeit ist weiblicher Ursprung und man kann nicht so tun als ob, da das zur Scheinheiligkeit und Falschheit führt. Selbstlosigkeit ist des Gegenteil von Egoismus und kann niemals zusammen auftreten, ohne dass es krankhafte Auswirkungen auf die Psyche des Menschen hat. Heute tun die meisten Menschen nur etwas, wenn es zu ihrem Vorteil ist und das ist Egoismus. Als selbstlose Frau tue ich etwas ohne etwas zu erwarten, ich respektiere mein Gegenüber als Mensch mit Bedürfnissen die er gerade hat und wenn ich ihm z.B. Obdach in meinem Heim gewähre, dann stelle ich mich auf seine Wünsche und Bedürfnisse ein, wie man das einem Gast gegenüber tut. Wenn ich dies nicht möchte, dann muss ich es dem Hilfesuchenden mitteilen und ehrlich meine egoistische Rolle ( als Frau) spielen, anstatt die Maske der Selbstlosen aufzusetzen. Masken müssen irgendwann abgenommen werden, da man unter ihnen kaum Luft bekommt und dann kommt die wahre Rolle oder der wahre Mensch zum Vorschein.

©Jutta Velten

„Mädchen mit Taube“ von Pablo Picasso