Das rote Zelt

Das rote Zelt war in vielen alten Kulturen und heute noch bei manchen Naturvölkern (wobei es hier eher als „Mondhütte“ bezeichnet wird) ein Ort an dem sich Frauen ab der ersten Monatsblutung trafen. Ein Ort an dem keinem Mann Zutritt gewährt wurde. Ein Ort an dem die Erde als unsere Mutter geehrt wurde, während der Mann den Glauben an einen Gott hatte. Das rote Zelt betrat man, wenn man die erste Monatsblutung bekam und wurde damit in den Kreis der Frauen aufgenommen und dies wurde gebührend gefeiert. Hier lehrten die weisen Frauen und Mütter die jungen Mädchen, alles was sie über die Weiblichkeit und über die sexuelle Vereinigung mit dem Mann wissen mussten. Auch gebaren sie ihre Kinder hier unter der Anleitung von weisen Frauen und in der Obhut und dem Schutz der Frauen des Stammes. Das rote Zelt diente als Rückkzugsort, als Therapiestätte, als Lehrstätte, als Erholungsstätte etc. Blutende Frauen fingen hier ihr Blut auf und gaben es in einem Ritual an die Erdenmutter zurück, ebenso das Blut nach der Geburt das mit der Plazenta an die Erde zurückzugeben wurde. Durch die monotheistischen Religionen und durch die Auflösung kleiner Gemeinschaften, verschwanden die roten Zelte aus den Tribes.

Heute solllten wir wieder kleine Gemeinschaften gründen (nicht mehr als 100 Menschen) und jede Gemeinschaft sollte ein rotes Zelt oder eine Mondhütte besitzen, damit Frauen wieder ihre uralten Bräuche zurück ins Bewusstsein tragen und diese von Generation zu Generation weitergegeben werden können. In den USA fangen Frauen wieder an rote Zelte zu errichten und das sollten wir ihnen unbedingt gleichtun. Da ich ständig umziehe, hat sich noch keine Gelegenheit für mich ergeben, ein rotes Zelt zu eröffnen, aber ich werde das an meinem nächsten Wohnort auf jeden Fall tun. Frauen brauchen rote Zelte, sie brauchen unbedingt einen Ort, wo sie von weisen Frauen in Sachen Weiblichkeit und Ursprung der Weiblichkeit unterrichtet werden. Frauen brauchen Rückzugsorte, die sich außerhalb ihrer Wohnung befinden, wo es kein Handy, keinen Computer, kein Fernsehen und kein Radio gibt. Dieser Ort ist heilig und Frauen lernen sich hier zu spüren, ohne sich abzulenken. Das rote Zelt ist ein geschützten Ort, an dem sie alle ihre Sorgen und Ängste lassen können. Besonders in der Zeit der Monatsblutung sind Frauen sehr sensibel und gerade diese Gabe ist so wichtig, denn sie unterscheidet uns unter anderem sehr vom Mann. Frauen die sich nicht an ihre Weiblichkeit und ihren Ursprung erinnern, bekommen im roten Zelt die Gelegenheit, sich wieder zurückzubesinnen.

Idealerweise ist das rote Zelt immer von wenigstens einer weisen Frau bewohnt, bzw. es sollte immer wenigstens eine weise Frau anwesend sein. Weise Frauen bluten nicht mehr, aber sie spüren regelmäßig ihren Zyklus und sind durch eigene innere Entwicklungen und Erfahrungen des Lebens gegangen. Sie haben sich nicht ihre Weiblichkeit herausoperieren lassen und unterdrücken sie auch nicht mit synthetischen Hormonen. Weise Frauen sind fähig ihre Intuition zu hören und sie können mehr als andere wahrnehmen. Leider gibt es heute in unserer Gesellschaft kaum mehr weise Frauen und deshalb ist es umso wichtiger die Wenigen die es gibt, zu Hüterinnen des roten Zeltes in einer Gemeinschaft zu machen. Aber eine weise Frau ist nicht das Oberhaupt denn es gibt im weiblichen Prinzip keine Hierarchien, aber man begegnet ihr mit Respekt (was eigentlich selbstverständlich im Umgang untereinander sein sollte).

Was das rote Zelt nicht sein darf:

Das rote Zelt ist kein Ort für Kommerz. Hier wird nichts verkauft und es wird auch keine Werbung gemacht.

Dieser Ort ist ein „heiliger“ Ort, ein Tempel und soll deshalb auch ehrfürchtig und demütig ohne Schuhe betreten werden.

An diesem Ort ist kein Platz für Egos, sondern hier wird die Selbstlosigkeit des weiblichen Prinzips praktiziert.

Im roten Zelt gibt es keine modernen Geräte, wie Handys, Computer, Fernseher und Radio. Jegliche Reinzüberflutung bleibt draußen.

Hier hat kein Mann Zutritt, außer er ist ein Säugling und muss gestillt werden. 😉

Lasst uns viele rote Zelte errichten und unsere Weiblichkeit feiern!

©Jutta Velten