Rücksichtslosigkeit

Ja, ich weiß, dass ich wahrscheinlich zu sensibel bin und ich deshalb Dinge als rücksichtslos empfinde, die der „Normalo“ als selbstverständlich ansieht.

Aber ist es denn selbstverständlich, dass meine Mitmenschen und ich durch die Rücksichtslosigkeit anderer krank werden?

Wenn ich in einem gewöhnlichen Supermarkt einkaufen muss, dann muss ich beim Eingang zum Supermarkt die Luft anhalten oder mir etwas vor die Nase halten, um diesem Qualm der Raucher zu entkommen. Da stehen sie vor dem Eingang und ziehen noch schnell an ihrer Zigarette, weil sie im Supermarkt 10 – 30 Minuten ohne Nikotin auskommen müssen. Ich sehe immer „die grauen Herren“ aus Michael Endes „Momo“ vor mir, wenn ich diese Raucher sehe. In dem Märchen „Momo“ rauchen die grauen Herren eine Zigarre nach der anderen, denn das hält sie paradoxerweise am Leben und dementsprechend ziehen sie daran. Die Raucher vor den Supermärkten bzw. Raucher allgemein ziehen ebenso an ihren Glimmstängeln, als würden sie um ihr Leben rauchen, doch im Gegensatz zu den grauen Herren aus Momo, kommen die Raucher mit jeder Zigarette viel früher dem Grab näher und näher. Wenn sie einen langsamen qualvollen Tod wünschen – bitteschön – aber was ich dabei rücksichtslos und respektlos finde, ist die Tatsache, dass sie auch andere mit ins frühe Grab ziehen. Kinder, Haustiere und sehr sensible Menschen reagieren oft körperlich auf die geringsten Dosen Nikotin. Ich bekomme zum Beispiel sofort dicke Lymphknoten am Hals und Kopfschmerzen, auch saugen meine Haare den Rauch so schnell auf, dass sie schon nach kurzer Zeit nach Rauch riechen, als käme ich 1980 aus einer Kneipe, wenn ich mich gerade durch die vor dem Supermarkt rauchenden Zeitgenossen quäle.

Keine Sucht beeinflusst seine Mitmenschen so, wie die Sucht des Rauchers. Es ist schon ziemlich verrückt, dass die Raucher sich in ihrer Freiheit rauchen zu dürfen eingeschränkt fühlen, wenn man sie daran erinnert, dass es andere stört, aber mit ihrem Qualm die Freiheit gute Luft einzuatmen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Nichtraucher beschneiden.

Wie kann es sein, dass Menschen ihre Mitmenschen in ihre Sucht involvieren und dass das von der Allgemeinheit vollkommen akzeptiert wird? Zur Zeit werden wir ständig an die Umweltzerstörung, die wir Menschen verursachen erinnert(völlig zu Recht) und dass wir etwas ändern müssen, wir sollen sogar eine Steuer auf CO2 zahlen, da muss man dann doch mal fragen dürfen, was mit den Rauchern ist? Die verpesten nicht nur die Luft und beeinflussen somit die Gesundheit anderer, sondern sie verschmutzen noch zusätzlich mit ihrem Abfall die Erde.

Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern für die Kinder und Haustiere, die sich nicht wehren können. Es ist überhaupt schwer sich gegen Raucher zu wehren, da sie meinen sie hätten ein Recht dazu die Gesundheit anderer zu gefährden. Wenn man mit Rauchern unter einem Dach wohnt, wird es schwer sich vor dem Zigarettenrauch zu schützen, denn raucht der Nachbar draußen, muss man entweder Raucherzeiten vereinbaren, wo man die Fenster zum Lüften öffnen kann, oder man muss seine Fenster geschlossen halten, aber dagegen haben die Vermieter etwas, denn das begünstigt die Schimmelbildung im Haus. Raucht der Raucher drinnen, dann zieht der Rauch durch alle Ritzen, was dem Raucher überhaupt nicht klar ist.  Ich habe leider das Pech über einer Raucherin zu wohnen, die mir ihre Antwort seit dem Sommer schuldig bleibt Raucherzeiten einzurichten und sich auch noch zusätzlich nicht nur auf einen Platz draußen, wo sie raucht beschränkt, sondern es überall tut, ohne dabei an mich zu denken.

Mit diesem Leserbrief möchte ich alle Raucher bitten, ihr Verhalten zu hinterfragen, sie bitten daran zu denken, dass ihre Sucht nicht nur ihnen schadet, sondern jedem Menschen, der gezwungen wird das Gift einzuatmen, indem er sich durch den Qualm an öffentlichen Plätzen quälen muss. Wir haben alle das Recht eine unbelastete Luft einzuatmen.

©Jutta Velten

PS: dieser Leserbrief geht an die Zeitung meines Kreises

ARCHIV – Eine Hand hält am 06.06.2012 in Berlin eine Zigarette. (zu „Gefährlicher Qualm – wo steht Deutschland beim Nichtraucherschutz?“) Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++