Die Sümpfe der Traurigkeit

Die Sümpfe der Traurigkeit durchschreitet jeder von uns mindestens einmal in seinem Leben und manche scheinen den Weg hinaus nicht mehr zu finden. Auch mich verschlingen diese Sümpfe immer und immer wieder, aber zum Glück konnte ich mich bis jetzt immer wieder daraus meist ohne viel Hilfe befreien.

Ein Freund von mir hat sich gerade in diesen Sümpfen verirrt und er findet den Weg hinaus nicht mehr. Er sitzt fest und versinkt jeden Tag tiefer und tiefer im Morast und es ist fraglich, ob er die Kraft aufbringt mir und seiner Familie die Hand zu reichen, denn alleine schafft er es nicht mehr hinaus. Es ist schrecklich mit anzusehen, wie ein Mensch kämpft und so erst recht immer tiefer sinkt. Die Gegenwart von Menschen die ihn lieben ist wohl das einzige, das ihn nicht komplett untergehen lässt. Aber es ist ziemlich schwer jemanden am Untergang zu hindern, wenn es keine Perspektive gibt. Ich kenne dieses Gefühl nur allzu gut, denn auch ich habe im Grunde keine Perspektive mehr. Zur Zeit halte ich mich noch mit dem Kopf über dem Morast, indem ich mir ständig vorbete, nur noch das oder jenes versuchst du jetzt und wenn das auch nicht geht, dann lässt du los, lässt dich hinabziehen in den Sumpf. Das betreibe ich nun schon über ein Jahr so und meist kam irgendwoher wieder eine helfende Hand, die mich wieder etwas nach oben gezogen hat.

Also werde ich nun auch meinem Freund die Hand reichen, um ihn wenigstens soweit nach oben zu ziehen, bis er wieder selbst den Kopf über Wasser halten kann. Ich sehe immer die Sümpfe der Traurigkeit aus Michael Endes Buch „Die unendliche Geschichte“ vor mir und wie er sein geliebtes Pferdchen zurücklässt, weil es sich nicht mehr alleine aus dem Sumpf befreien kann. Ja, so ist das manchmal im Leben. Aber trotzdem möchte ich warten und sehen, ob ich etwas ausrichten kann. Vielleicht sollte ich mich zu ihm setzen und ihm „Die unendliche Geschichte“ vorlesen? Diese Idee kommt mir gerade und das werde ich auch tun. Ich habe ihm jetzt gesagt, dass ich nicht locker lassen werde, auch wenn er nicht mehr mit mir spricht. Er spricht gerade mit niemandem mehr. Wenn ich nur auch ein magisches Medaillon hätte, das ich ihm um den Hals hängen könnte, damit es ihn vor dem Untergang schützt!

Vielleicht gibt es jemanden unter euch, der eine magische Idee hat, wie ich ihm noch helfen kann. Er ist ein wundervoller und großherziger Mensch und das muss man ihm glaube ich täglich vorsagen, damit er es selbst begreift.

Eure Jutta