Abschluß, schließen des Jahreskreises und des Jahrzehntes

Man soll keine offenen Enden zurücklassen…sagt man. Also schließen wir das Jahr indem wir es noch einmal überdenken, uns Monat für Monat ansehen und uns fragen, was hat uns der jeweilige Monat an Erkenntnissen und Wegweisern gebracht, an wie vielen Abzweigungen sind wir vorbei gegangen, an denen wir vielleicht hätten einbiegen sollen? Haben wir mit den Steinen die uns im Weg lagen Brücken gebaut oder uns nur die Füße wund geschlagen? Gab es Begegnungen und Augenblicke, die uns glücklich machten? Haben wir etwas gelernt?

Da heute auch ein Jahrzehnt zu Ende geht, können wir uns diese Fragen auch auf die vergangenen Jahre betreffend stellen, was natürlich um einiges schwieriger sein wird, da zehn Jahre eine ganz schön lange Zeit sein können. Trotzdem sollten wir uns vielleicht einmal die Jahre im Schnelldurchlauf in unser Bewusstsein holen und sehen, ob und wie wir uns verändert haben, ob und wie wir gewachsen und gereift sind.

Wenn ich mir gerade überlege, wie alt meine Kinder vor zehn Jahren waren, bemerke ich mal wieder ( wie so oft in den letzten Jahren) wie schnell die Zeit vergeht, auch wenn in der Erinnerung zehn Jahre dann doch wieder lang sein können. Vor zehn Jahren war ich 40, ich hatte eine Höllenangst vor den 40, ich dachte, dann bin ich alt. Jetzt mit 50 (schon bald 51) kommt mir diese Angst vor dem älter werden lächerlich vor. Wenn ich nun weiter die Jahre überdenke, bemerke ich, wie sehr ich gewachsen bin, aber es gibt noch immer jede Menge alte Muster, die ich noch immer mit mir herumschleppe.

Nun schaue ich wieder das vergangene Jahr an und stelle fest, dass mir diese Muster, die mich mein Leben lang begleiten, mir mal wieder ziemlich viel Schmerz gebracht haben. Wie oft habe ich in diesem Jahr schon gedacht „das war es jetzt, es geht nicht mehr weiter“? Wie oft war ich müde immer und immer wieder die selben Erfahrungen zu machen und zu bemerken, dass ich schon wieder in die selben Fallen tappe. So wie der Elefant, der immer wieder durch die gleiche Straße mit dem gleichen tiefen Loch geht und reinfällt und er erst nach vielen, vielen Malen endlich einen anderen Weg wählt. Wann, so frage ich mich, werde ich endlich mal einen anderen Weg wählen? Es schein so leicht zu sein, wenn man die „Elefantengeschichte“ liest und man fragt sich dann, warum der Elefant so lange gebraucht hat, einen anderen Weg einzuschlagen und ob es leichter wäre, wenn alle Lektionen als Loch in der Straße daherkommen würden? So ein Loch in der Straße sieht man ja, aber anscheinend war es für den Elefanten ebenso schwer, auf die Idee zu kommen einen anderen Weg zu wählen, wie für mich endlich mal aus meinen Mustern zu lernen und zu begreifen, dass sie eben da sind und ich mich einfach vor bestimmten Dingen in Acht nehmen muss.

Mein Jahr 2019 war gespickt mit tiefen Löchern in die ich gefallen bin und mit riesen Steinen an denen ich mich gestoßen habe, aber ich habe es trotzdem (oh Wunder) geschafft bis an Ende dieses Jahres zu kommen. Viele Blessuren musste ich einstecken und mir immer wieder Wunden lecken, aber ich muss auch sagen, dass immer dann, wenn ich dachte, dass jetzt Schluss ist, von irgendwoher ein Mensch oder eine Situation auftauchte, die mir einen Grund gab weiter zu machen. Für diese Menschen, denen ich begegnete und die mir in irgendeiner Form ihre Hände reichten, bin ich unendlich dankbar. Ja, ich weiß nun sollte ich auch jenen Menschen dankbar sein, die mir Schmerz zugefügt haben, aber das ist ziemlich schwer. Ich bin dabei es zu lernen. Ein Mensch der nur ganz kurz in mein Leben trat und mir in dieser kurzen Zeit so viel Gutes angedeihen lies, der dann aber leider so schnell, wie er in mein Leben getreten war, auch wieder aus meinem Leben verschwand, verwirrte mich zutiefst. Er hatte wohl seine Gründe, aber Abschied zu nehmen tut weh, auch wenn man den Menschen kaum kannte. Schade, dass ich nicht die Gelegenheit hatte, ihn besser kennen zulernen. Das mit den Menschen kennenlernen in meinem Leben ist auch so eine Sache. Wie oft habe ich mich durch die Masken meiner Mitmenschen täuschen lassen und leider gibt es eben das Muster, dass mir in den meisten Fällen Narzissten oder andere psychisch erkrankte Menschen begegnen, die mich meist nicht gut behandeln. In den letzten Jahren sind das vor allem Menschen, die mich ebenso emotional missbrauchen, wie das meine Mutter tat. Wie gerne würde ich diese Muster loswerden. Gerade im letzten Jahr kam da so einiges an alten und neuen Verletzungen hinzu. Aber gut, das ist vorbei und abgehakt.

Dankbar bin ich für die Entdeckung und Entwicklung meiner vielen Gaben und Talente mit denen ich wirklich reich beschenkt wurde. Mit 40 habe mit dem Schreiben und dichten angefangen, mit 50 habe ich entdeckt, dass in mir jede Menge künstlerische Talente mein Leben lang geschlummert haben. Ich habe zu malen begonnen, ich habe Skulpturen geformt, ich habe gefilzt und meine Kenntnisse in häkeln und stricken erweitert. Früher als meine Kinder noch klein waren, habe ich auch schon vieles gebastelt, aber jetzt hat sich das so weit entwickelt, dass ich selbst immer wider erstaunt über mein Potenzial bin.

Dankbar bin ich auch für meine Leser und Leserinnen und jenen die mich regelmäßig mit ihren „likes“ zeigen, dass es doch Menschen gibt, die mich verstehen und ähnlich denken.

So schließe ich nun das Kapitel 2010 bis 2019 und danke allen die mich in dieser Zeit auf meinem Weg begleitet haben, die mir begegnet sind, um mir etwas zu lehren, die für mich in schweren Stunden da waren, die mit mir schöne Stunden verbracht haben, die mich motivierten, die mir Mut machten, die mich kritisierten und die mich versuchen zu verstehen!

Ich wünsche euch von ganzem Herzen ein gutes Ankommen im Jahr 2020 und hoffe für uns alle, dass wir das nächste Jahrzehnt gesund und vielleicht reich an Erkenntnissen bestehen. Lasst uns in unseren Herzen zueinander finden und Brücken bauen, damit wir uns umarmen können. „Umarme deine Feinde, so können sie nicht die Waffen gegen dich richten.“ *Tibetische Weisheit

In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne….

Alles Liebe eure Jutta