Ist das noch Brauch?

Früher hat man zu Neujahr mit Topfdeckeln und Holzratschen Lärm gemacht, um die Wintergeister auszutreiben, aber das was wir heute veranstalten ist wohl kein Brauch mehr, sondern einfach Spielzeug für jene, die anscheinend unbedingt auf sich aufmerksam machen müssen. Ob Tiere dadurch leiden und sie hier eine riesen Umweltverschmutzung veranstalten, mit den Krachern, Böllern und Feuerwerk, daran denkt an Silvester (sogar schon Tage davor) kaum einer. Und dann sind da noch die „Friday for Futures“, die alte Frauen, als Umweltsau beschimpfen, die aber zum größten Teil fleißig mitböllern und Raketen zünden!

Was, so frage ich mich Jahr für Jahr geht in diesen Menschen vor, die anscheinend nicht wissen was sie mit ihrem Geld anfangen sollen oder zuviel davon haben, dass sie es unbedingt mit viel Lärm in die Luft verpulvern müssen? Rund um Sydney (Australien) brennt es, aber Sydney hat nichts besseres zu tun, wie sich der Welt mit einem riesen Feuerwerk zu präsentieren. Im Jemen, unter anderem, verhungern täglich Menschen, für die 2020 vielleicht ihr letztes Lebensjahr sein wird und wir haben nichts besseres zu tun, als Millionen in den Himmel zu schießen! Unsere Tiere und hier meine ich nicht nur die Haustiere, sind völlig verstört und würden sich wahrscheinlich am liebsten die Ohren zu halten, weil sie den Lärm gar nicht vertragen. Außerdem ist ja nach Silvester noch lange nicht Schluss, denn so wie auch schon Tage vor Silvester gibt es immer noch solche Spakkos, die unbedingt noch kräftig weiter böllern müssen!

Dass man nur mit Verboten hier bei kommt, finde ich echt „untere Schublade“! Aber ich bin definitiv dafür, dass das verboten und der Konsum von Feuerwerk massiv eingeschränkt wird, so dass nur ab 0:00 eine Stunde gefeuert werden darf. Auch dass sich die einzelnen Großstädte auf diesem Erdball gegenseitig ein Feuerwerkwettbewerb liefern ist einfach nur hohl! Leider gibt es aber viel zu viele Menschen weltweit, die ihr Gehirn in ihrem Kopf spazieren tragen und nicht wissen, wie es angewandt wird. Wenn die Menschen mal ihr Gehirn benutzen würden, dann würde sich auch keiner mehr dieses Spektakel ansehen und dann würde auch keine Stadt mehr bei dem Wettbewerb mitmachen und wenn keiner mehr Feuerwerk und Böller kaufen würde, dann würde es auch nicht mehr produziert werden. Wo keine Nachfrage, da auch keine Produktion!

Wie manche wissen, bin ich ein Astrid Lindgren Fan und ich liebe ihre Bücher, aber auch die Verfilmungen ihrer Bücher. Die heile Welt, in die man sich dabei träumen kann, ist einfach manchmal nötig in dieser kaputten Welt. In der Verfilmung „Wir Kinder aus Bullerbü“ erzählt Astrid Lindgren, wie sie ihre Kindheit verbracht hat und hier gibt es eine Szene die an Silvester spielt. Lisa und ihre Brüder und deren Freunde, feiern gemeinsam Silvester und begrüßen um 0:00 Uhr das neue Jahr. Sie schauen aus dem Fenster in eine tief verschneite Neujahrsnacht und es herrscht Stille! Kein Feuerwerk, keine Böller und Kracher und was es sonst noch gibt. Einfach nur Ruhe und Kinder, die in dieser Stille das neue Jahr begrüßen, indem sie ein dreifaches „Hurra“ ausrufen. Ja, ich weiß heute gibt es das wahrscheinlich nur noch im Urwald oder in der Arktis und es ist nicht „zeitgemäß“. Unsere Zeit ist gespickt von Lärm und Egoismus. In diesem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, wird auf der Straße weitergeballert und ich höre das Pfeifen und Knistern der Feuerwerke. Mein Kater, der gerne am Abend hinaus geht, muss heute nun wieder drin bleiben. 48 Stunden darf geknallt werden. Aber da hält sich ja doch kaum einer dran. Hier ging die Knallerei schon nach Weihnachten los.

Schade, dass man hier wirklich nur mit Verboten beikommt!

Das erste Ärgernis des Jahres hängt mal wieder (wie jedes Jahr) an den Knallern und Feuerwerkskörpern. Ob es das jemals wieder geben wird, dass an Neujahr Stille herrscht?

In diesem Sinne, wünsche ich euch Stille, in dieser ersten Nacht im neuen Jahr.

©Jutta Velten