Der Camino ruft oder dort wo die Angst ist, musst du hin.

Ich weiß gar nicht mehr genau, seit wann ich den „Ruf des Camino“ höre. Vor einigen Jahren hörte ich jemanden sagen, dass sie auf den Jakobsweg gehen wolle und ich dachte, „ach, das ist nur etwas für Christen“. Dann hörte ich von Harpe Kerkeling, dass er auch den Jakobsweg gegangen sein soll, was für mich nicht gerade eine Werbung war, denn ich kann diesen Typen einfach nicht ausstehen. Und so lebte ich ohne einen weitern Gedanken an den Jakobsweg zu verschwenden mein Leben, bis vor einigen Wochen. Plötzlich „stolperte“ ich auf YouTube, über einen Bericht von einer jungen Frau, die den Jakobsweg gegangen war und seitdem bin ich „angefixt“. Jetzt habe ich mir gefühlte hunderte von Berichten angeschaut und höre den „Ruf des Camino“ immer deutlicher. Ich fragte mich, ob ich einfach so beeindruckt von den Erlebnissen der Leute bin, die diesen Weg zurückgelegt hatten, aber warum habe ich denn überhaupt erst diesen ersten Bericht von der jungen Frau angeschaut? Ich hätte ja einfach ausschalten können, so wie ich auch damals nicht reagierte, als ich hörte, dass sich da eine Bekannte auf den Weg macht. Jetzt war es anders! Ich sog förmlich diese Berichte in mich ein und träume jetzt auch schon davon, den Weg zu gehen.

Aber…da sind zwei Stimmen in mir: die eine sagt mir, dass ich es bleiben lassen soll, da ich ja so und so nicht gerne laufe; dass ich es zu Hause doch viel gemütlicher habe; dass ich Angst habe mich zu blamieren, wenn ich es nicht schaffe; dass ich doch nicht das Geld dafür habe und auch noch keine Ausrüstung; dass ich schmutzige Absteigen hasse; dass ich meine eigene ganz individuelle Morgenroutine habe und niemanden dabei gebrauchen kann usw. Das ist das Ego, das es gern bequem hat und alles tut, um mich in einer Komfortzone festzuhalten.

Dann ist da eine Stimme, die sagt, mache es Jutta, es ist eine einmalige Erfahrung; der Weg ist das Ziel; gehe einfach so weit du kannst, niemand macht dir Stress, denke nicht so viel nach, sondern gehe einfach Schritt für Schritt; suche dir Menschen, die mit dir gehen mögen; es wird sich jemand finden, der deine Pflanzen gießt und deinen Kater füttert; die Herbergen sind nicht alle eklig, außerdem kann man auch mal in eine Pension ausweichen; deine Morgenroutine bekommt einen anderen Rhythmus usw. Das ist meine Seele, die mir Erfahrungen und Lektionen schickt, damit ich mich mich weiter entwickeln kann und um meine Komfortzone zu verlassen.

„Dort, wo die Angst ist, musst du hin.“

Diesen Kampf den beide in meinem Inneren ausfechten, hat die Seele schon gewonnen, denn ich weiß, dass ich es tun muss und es tun werde. Ich möchte den Jakobsweg gehen, um aus meiner Kofortzone auszubrechen; ich möchte einiges aus meinem Leben hinter mir lassen, es abschließen; ich möchte lernen im „Hier und Jetzt“ zu sein, mir nicht so viele Gedanken um „ungelegte Eier“ machen; ich möchte an meine Grenzen kommen und diese überschreiten; ich möchte Menschen treffen, die sich auch auf den Weg machen; ich möchte mir den Weg zu Ziel machen, nicht zu wissen, was danach kommt; ich möchte mich überraschen lassen und ich möchte wieder vertrauen lernen.

Ich würde mich gerne im Mai auf den Weg machen und „nur“ die kleine Strecke(3 Wochen) gehen, entlang der Küste Portugals und Spaniens. Wenn du jetzt gerade diese Zeilen bis hier hin gelesen hast, bist du vielleicht auch jemand der/die schon mal mit dem Gedanken gespielt hat, aber es aus irgendwelchen Gründen noch nicht getan hat, weil vielleicht dein Ego noch zu stark ist. Wenn du dieses Jahr Zeit finden kannst, würde ich mich freuen, wenn du mich kontaktierst und mit mir zusammen den Weg des Jakobs gehen würdest. Es muss auch nicht unbedingt der Mai sein ( wobei das der schönste Monat ist, um zu wandern), es kann auch Ende September sein. Im Sommer sind die Strecken total überlaufen und es ist zu heiß, deshalb sollte man das Frühjahr und den Herbst wählen.

Schreibe mir, wenn du Lust hast und mit mir gehen magst. Ich freue mich.

juttavelten69@gmail.com

Deine Jutta