Der Wind, der Wind…

Stürme kommen jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst. Im Frühjahr macht die Natur Frühjahrsputz und pustet allen Dreck, der sich über den Winter angesammelt hat davon. Im Herbst bereitet die Natur sich auf den Winter vor und pustet die vertrockneten Halme und Pflanzen übers Land und verteilt so die Samen für das nächste Jahr.

Wir Menschen jammern jedes Jahr aufs Neue, über den Sturm, der Bäume entwurzelt und oft großen Schaden für die Menschen anrichtet. Der Sturm ist nicht Menschen gemacht, sondern nur die Folgen, die wir dann zu spüren bekommen. Würden wir im Einklang mit der Natur leben, hätten wir keine Häuser, wo es Ziegel abdecken kann, sondern Häuser, denen Stürme nichts ausmachen bzw. die man innerhalb von Minuten und ohne Kosten wieder aufbauen bzw. reparieren kann. Wenn unsere Autos von Ästen oder gar ganzen Bäumen getroffen werden, dann ist es unser Pech, weil wir Autos haben (die sind nämlich in der Natur eigentlich nicht vorgesehen) und wenn uns ein Baum auf den Kopf fällt, dann ist das nur die Folge von einer Forstwirtschaft, die keine Ahnung von Bäumen hat. Es fallen nur jene Bäume um, die krank sind und/oder nicht mehr im Familienverband verwurzelt sind. Ja, auch Bäume haben Familien und sind mit ihren Familienmitgliedern über das Wurzelwerk miteinander vernetzt. Wir zerstören seit Jahrhunderten nicht nur unsere eigenen Familien, nein, wir zerstören auch die Pflanzenfamilien. Wenn Bäume nun im Familienverbund zusammenstehen, dann halten sie sich gegenseitig durch ihre stabiles Wurzelwerk fest. Kein Sturm kann ihnen so etwas anhaben.

Wir sehen das doch bei uns Menschen. Wenn wir unsere Wurzeln verloren haben, der Familienverband sich aufgelöst hat, man nicht mehr in einer Gemeinschaft miteinander lebt und sich gegenseitig hält und stützt, verliert ein einzelnes Familienmitglied, die Kraft sich in den Stürmen des Lebens zu behaupten. Familienverbände sind stabil, hier kann nicht mal eine Machtelite etwas dagegen tun. Diese Tatsache wissen sie und so war der Plan, die Familien zu zerstören, zu spalten, so dass sie sich trennen und untereinander vielleicht sogar verfeindet sind. Erst ab da war es möglich, die einzelnen Menschen zu manipulieren. Gemeinschaften, wie sie seit einiger Zeit mehr und mehr entstehen, haben eine ähnliche Funktion, wie die Ursprungsfamilie. Auch in solchen Gemeinschaften, bilden sich starke Wurzeln, die sich gegenseitig halten und stützen, meist durch gleiche oder ähnliche Vorstellungen vom Leben und dadurch kann von außen nicht besonders gut eingegriffen und manipuliert werden. Die Kleinfamilie, die häufig nur noch aus einem Elternteil und dem Kind bzw den Kindern besteht, sind nicht verwurzelt und deshalb finden sie keine Hilfe und Unterstützung, wie wenn zum Beispiel, wenn etwas kaputt geht und das Geld reicht nicht, oder man ist überfordert usw. In einer Gemeinschaft, können solche Dinge aufgefangen und getragen werden, wie das normalerweise auch in Familienverbänden sein sollte.

Ich kann davon ein Lied singen, wie es ist, wenn die eigene Familie einem die Wurzeln kappt und man plötzlich ohne jeden Halt völlig alleine steht. Viele Lebensstürme haben mich deshalb schon oft umgeworfen. Gut, im Gegensatz zum Baum, gehe ich dann nicht gleich ein, aber ich war oft schon kurz davor. Der Egoismus den man uns von Kindesbeinen an einimpft, hat die meisten Familien zerstört oder zerstört sie weiter. Der Egoismus aus dem männlichen Prinzip, hat auch die starken Wurzeln der Mütter verkümmern lassen und deshalb konnte man bewirken, dass die Familien sich auflösten und ihre Wurzeln der Kinder so verkümmert sind, dass sie beim geringsten Windstoß umfallen, was beim Menschen bedeutet, dass er sich alle möglichen Süchte aneignet, dass sie Angst haben, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen usw. So wie Bäume die alleine und ungeschützt stehen und dadurch eine große Angriffsfläche bilden, so bilden Menschen ohne familiären/gemeinschaftlichen Halt, auch eine große Angriffsfläche.

Man weiß heute, dass in einem Familienverband der Bäume immer die Mütter, die weiblichen Bäume, jene sind, an denen sich die Kinder und andere Familienmitglieder festhalten. Wenn ein Mutterbaum krank ist (durch menschliche Einflüsse) hat sie nicht die Kraft, starke Wurzeln zu bilden bzw.ihre vormals starken Wurzeln bilden sich zurück und so können sich die anderen Familienmitglieder nicht mehr festhalten. Der nächste Sturm reißt sie um. Das was wir uns antun, tun wir eben auch der Natur an und jammern dann, wenn die Frühjahrs- und Herbststürme alles mit sich reißen. Jedes Tier jede Pflanze arrangiert sich natürlicherweise mit äußeren Einflüssen. Gestern konnte ich das bei meinem Kater beobachten. Er hat noch nie in seinem Leben so einen Sturm erlebt, aber trotzdem wollte er raus. Er kam dann zwar immer wieder rein, musste aber dann auch wieder raus. Es sah aus, als wolle er lernen damit umzugehen

Wir Menschen lernen nicht damit umzugehen, sondern stellen Dinge her, die bei einer Veränderung des Wetters kaputt gehen können. Wir suchen immer einen Schuldigen. Im Mittelalter waren die Hexen Schuld am Wetter und die Kleriker haben damit ihr Geld gemacht. Heute ist es die Menschheit allgemein, wobei hier mit zweierlei Maß gemessen wird, denn die mit dem Finger auf andere zeigen und diese bezichtigen Schuld am Wetter(vereinfacht ausgedrückt) zu sein, fliegen dann mit der nächsten Maschine in Urlaub und helfen mit eine Steuer einzuführen und so geht diesmal das Geld nicht an den Klerus, sondern wird in Waffen investiert, um Kriege finanzieren zu können, die wiederum auch die Umwelt verschmutzen und wovon nur wenige profitieren. Das Geld kommt nicht der Umwelt zugute. Aber auch im Mittelalter wurde mit zweierlei Maß gemessen, das scheint eine menschliche Charakterschwäche zu sein, denn jene die den meisten Dreck am Stecken hatten, denunzierten die, die nichts getan hatten. Heute tragen wir alle die Verantwortung, auch die, die mit dem Finger auf andere zeigen! Wir vermüllen alle die Erde, wir unterstützen im Grunde alle, dass Gift auf die Felder gesprüht wird und dadurch die Insekten sterben, aber das Wetter hat schon immer Capriolen geschlagen, wie wir ja schon an den alten Geschichten sehen können.

Wir sollten aufhören uns gegenseitig die Schuld für etwas zu geben, wo wir selbst mit die Verantwortung tragen und lieber einmal überlegen, was wir tun können, damit wirklich der Umwelt geholfen wird und nicht mit dem Geld andere Menschen getötet werden!

©Jutta Velten